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Ich bleibe.

Montag, Dienstag, Mittwoch – Gestern, Morgen, Heute – damals und abertausend Mal der Zwang der Zeit, den wir uns selbst auferlegen. Was ist die wirkliche Zeit? Jene die an meiner Wand getrieben vor sich her tickt oder jene die unsere Gelenke zieren und unsere digitalen Gegenüber komplettieren? Ich hege leise und laute Zweifel und es dämmert mir, dass der Zeitbegriff losgelöst von uns Menschen ist. Das Zeit immer schon da war und vielleicht immer da sein wird.

Fragend wende ich mich an Berge, Blätter, Blüten und Wurzeln, ich staune in jene Tiefe, die sich nicht messen lässt, nicht in Meter, nicht in Füssen, nicht in irdischen Massen. Vielleicht bin ich taub, vielleicht geblendet, dass ich die Antworten nicht erschliessen, nicht deuten kann und möglicherweise finde ich mich hohlen Fussstapfen gegenüber, die irgendwo und irgendwann bereits getreten wurden und geduldig auf mich warten bis ich folge. Die universelle Sprache wiegt mich in diese andere Realität, die ich wohlmöglich ersehne und im Wirbel des Lebens immer wieder erhasche. Wo sonst beleben mich solch tiefrote Augenblicke, die ja, unserer Zeit entledigt existieren oder in einer anderen Form sein dürfen?

Das reine Vertrauen, das Leben und Tod sich umgarnen, der See in seinem türkisen Gewand mehr ist als die sich schaukelnde Oberfläche mit seichten Wogen, die Strahlen nicht in mir Leben erwecken oder erlöschen, vielmehr in Unabhängigkeit zu mir stehen, vergehen und jeden Tag wieder von Neuem den Glanz in ihren Augen hervorheben, ihren Sternen Gehalt geben, ihr Herz in rhythmisches Pochen liebkosen; darin finde ich Dankbarkeit und Demut. Ich darf klein sein in der Gegenwart dieser Wunder. Ich getraue mich hinzusehen und zu fragen und werde warten.

Stillness

Stillness of the mind as I nurture my soul.

Unablässig diese Gedanken, die sich in Gängen verirren und sich durch dunkle Gassen schleichen, Brücken schlagen und Fernes mit Nahem verbinden, plötzlich verschwinden und im Unwetter anderer Intrusionen wieder auftauchen. Da sind sie wieder.

Ich kann nicht ohne sie leben.

Und da kauert dieses Kind und blickt gedankenverloren der Elefantenkuh entgegen. Unsere Blicke verneigen sich voreinander, kreuzen sich, lächeln anmutig in die Tiefen der Seele hinein. Er erspäht das Elefantenjunge und rückt es gerade. Abgewandt das kleine, grosse Tier, abgewandt das kleine, schwere Menschlein. Körper hier, anwesend, verbergend und doch so ehrlich, der Ausdruck des inneren Erlebens. Geräuschlos kullern die Engelstränen vor gezogenen Vorhängen, sie säumen die Fassung seines Herzens in durchdringende Strähnen, und setzen sich im Magen nieder, wo die Last ihr zu Hause weiss, drückt und beisst, und sich alles zusammenzieht. Im Hals die Barriere, die Fingerhaut, die Fussnägel, die Knöchelbeine, die Schlossschulter, verkrampft von Kopf bis Fuss.

Danke, dass du da bist. So zuverlässig und stark. Was ist mehr als dein Dasein, deine tragenden Gesten und Worte, dein verbindliches Versprechen und die sich kreuzenden, ineinander fliessenden Seelen. So bin ich du und du bist ich.

Der Löwe im Zaum, am Flussufer bäumt sich der Sand in laue Wellen, Grenzen ziehen sich eckig in entgegengesetzte Richtungen und wir sind Lichtjahre entfernt und doch beide da, in diesem vertrauten Moment. Das verschwommene Bild, entbunden von Zeit und Verstand, die diffuse Heimat, die sich weder fassen noch benennen lässt, und trotzdem uns beide beherbergt. Das Haus der Seele, die Nachbarschaft der sich treffenden und gegenseitig ausweitenden, tragenden Gefühle, die endlos Raum bieten für alle Töne und Schattierungen von Angst, Furcht, Freude und Wut. Hallo Gefühl.

GtotOmat

Ich kann nicht leugnen, dass ich gedenke und noch immer auf eine Antwort warte. Gleichwohl ist sie für mein Leben nicht relevant, sondern für das ihre, für ihren Glauben, für ihr Erinnern, für ihre Sinnhaftigkeit. Sie befindet sich im gefüllten Trog mit ihresgleichen. Jene die sich an Antworten klammern oder jene, die sie abstossen. Ich lese aus ihren Worten Enttäuschung, Trauer, Wut.

Ich fahre mit meinem Finger dem Spektrum hoch und runter, in inneren Bildern lenke ich mein Bewusstsein auf diese verschiedenen Lebenspfade und -einstellungen. Da begegnet sie mir wieder, in anderer Gestalt, umhüllt von Heiterkeit und Zuversicht. Ich erahne Glaube und die prägenden Erfahrungen, die heute helfen Wege für andere Menschen zu festigen und erleuchten. Ich sehe Gegebenheiten und den Menschen in deren Bann und staune – wie ich diese Eigenschaft lieb hab. Und wie ich sie beide in einer anderen Herzkammer entdecke und lieb hab, so wenn sie den Schmerz vermeiden und im dunklen Humor vergraben, Energien bündeln und das Netz beleben und instruieren, um einem anderen Halt zu geben. In der eigens dafür eingerichteten Ecke ruht der Junge, auf dem Spielplatz fühlt er sich sicher, an der Wandtafel weiss ich den Morgengruss zu erhaschen, so gütig und reich an inneren Weiten, die Tränen und Lacher sein dürfen.

Jedes Universum entdecke ich jeden Tag, wenn ich meine Augen und Ohren öffne. Inmitten diesen Welten stehe ich still und verbinde mich. Ich vernehme eine Vibration, die mich jeden Ring sein lässt, von der Wurzel bis zum Blatt. Da stehen wir nun beide im Strassenlicht. Und wenn ich dich berühre, was empfindest du? Und wenn ich mich bewege, wo sind deine Gedanken? Ich danke ihrer Ehrlichkeit und ihrer Offenheit, ihrer Unsicherheit und ihren gestreuten Farben, ich danke dir oh Mensch und Baum, so ähnlich, so gleich sind wir.

Die Saiten sind meine Mitwisser, die Strahlen meine Komplizen, die Sehnsucht mein Anhänger, der letzte Atemzug mein Freund, die Zuversicht und die Liebe meine Verbündeten. Alles ist.

Un

Unreflektiert, schnell, aus dem Ärmelkanal geschüttelt, aus der Lunge gehustet, aus den Ohren geatmet, völlig unbesinnlich und weit von mir entfernt. Oder doch nicht? In einer Rage oder ausserhalb eines Zaunes? Oder sagt man Gitter? Vielleicht könnte man die Fernseher hinter Gitter verbannen. Ich wäre dafür. Oder die Erfindung rückgängig machen. Was hätten wir zu verlieren? Nervige Werbungen oder opulente Selbstdarstellungen? Die Vereinsamung in den eigenen vier Wänden? Vielleicht werfen wir das Internet auch gleich in dieselbe Tonne, oder die Mobiltelefone, oder beides, oder sind es die Selbstdisziplin, die Selbstliebe, das Selbstverständnis, dass das „Leben offline ist“ – danke René – die fehlen? Ich weiss es nicht, heute nicht, morgen nicht, oder vielleicht doch? Ich zucke mit der Schulter, wie der Kleine: „ich weiss es nicht“. Schwachsinn, klar weiss er es, er möchte es sich nur nicht selbst eingestehen. Vielleicht ist er noch nicht bereit dazu, vermutlich kennen wir dies alle auch. Pech gehabt. Gehe ich eben schlafen, in Frieden ruhen; einfach, jetzt wo meine Gedanken und Gefühle der Leichtigkeit Spalier stehen.

Wieder einmal in das Unbedeutsame verfallen – who cares? Draussen scheint die Sonne und ich lasse mich von ihr blenden – what more do I want? What more can I ask for?

Lustig, jetzt tanzen sie wieder und ich lasse los, endlich.

Perspektive

Ich, auf der Bühne, ihr dort unten. Ich proklamiere: „ich bin Polarität“. In der Südkurve lächelt die Sonne und alles ist verkehrt und nichts ist verkehrt, auch nicht als das Abendlicht im Osten der Dunkelheit weicht. Auf leisen Sohlen ist meine Verkörperung Riese, meine Trägheit verkannte Gelassenheit, meine Grösse Ausblick, meine Härte Schutz und mein Abstand zur Erde gleichwohl Distanz und Nähe. Auf meinen pfannengrossen Händen trage ich jene inneren Welten nach aussen, die in ihrem Bestreben das Leben in sämtlichen Mustern und Vibrationen zu leben und zu erfahren, zerbrechlich sind. Jene hinnehmenden Pratzen, die ihr seht, sind in einer anderen Wirklichkeit samtige Kissen. Sie sind die Erbringer dieser Gefühle des Erlebens in Form einer vollendeten Glaskugel, so klein im Kontrast zu meinem Umriss, so zart, verblassend, täuschend, wenn ihr Seelenleben doch weit herausragt und berührt. Mit grösster Vorsicht – im Bewusstsein diesen Schatz zu behüten – enthülle ich sie vor dem Universum und staune über ihr Strahlen in alle Weiten, in alle Ecken, in alle Herzen. Ihr fragt euch, und mich, und hinaus in den uneingeschränkten Raum, was sich in ihrer Fülle verbirgt und ich antworte nur jenen Bruchteil, den ich zu Wissen vermute (weil ich weiss, dass ich nichts weiss, aber vertraue, dass es so gut ist):

„Hierin trage ich die Unschuld und die Güte jedes Menschen und jedes Tieres, jeder Pflanze, jeder Zelle, jedes Atemzugs und jeder noch so kleinen Schwingung, die Ton ist, die Farbe ist, die lacht und singt, weint und brüllt, die Fingernagel ist, und ein Seufzer und ein Kratzer auf der Oberfläche des Herzens; das konstante Ineinanderleben aller und jedem, das absolute Geflecht des Gesamten. Und ich darf es tragen. Ich, der Riese. Der Bote, der Stein, das sterbliche Gehäuse einer höheren Kraft.“

Erlösung

Ich.

Auf dieser einen Welt bin ich zu Hause. Sie ist mein daheim. Hier sind mein Bruder Baum und meine Schwester Mond. Ich halte sie in meinen Armen und spüre ihren Puls. Und auf einmal fallen die Sterne vom Himmel und ich weiss es ist wahr. Am Strassenrand entdecke ich den Fuchs. Einen Moment kreuzen sich unsere Blicke und wir beide wissen. Ich begegne einem weiteren Fuchs und zwei Rehen, ein grosses und ein kleines. Obschon ich ihre Seelen nicht sehen kann, spüre ich sie. Wir sind. Wir horchen auf als die Himmelskörper sich plötzlich ihren dauerhaften Bildern  entledigen.

Die Schilder und Lichter, die Planken und Streifen, die Geräusche und Farben ziehen an mir vorbei wie eine gewobene Kulisse. Ich schwitze am ganzen Körper, doch verweise den Impuls mir über die Stirn zu wischen. So nahe bin ich. Ich brauche mich nicht zu bemühen, so fern sind für einmal meine Zweifel. Sachte fühlen meine Fingerspitzen der rauen Kleidung entlang, die meinen Bruder umhüllt und ich frage mich leise, was Bäume wohl träumen. Ich küsse die Erde und die Sonne während das Universum sich an mich schmiegt und ich die Endlichkeit annehme.

Ich bin widersinnig und möchte nicht anders sein, nicht Rolle oder Beruf, nicht Pflicht oder Busse, nicht Sünde oder Erwartung, einfach sein, weil ich die Gesamtheit als Kleinster aller Teile ergänze und mich damit begnüge. Hierin schöpfe ich Kraft, im Verbund des Unbeschreiblichen, wo ich Baum und Fuchs, Stern und Reh, schwarz und weiss, alles und nichts bin. Und wenn eines Tages sich Michener von der Welt und der Galaxie verabschiedet, so werde auch ich eines Tages auf diese Seelenbilder zurückblicken, die in meinem eingeschränkten Vorstellungsvermögen unsere irdische Existenz überdauern.

Wende

Die Ader. Das Innerste. Der Lauf und das Wachstum. Und der hohle Klang, witzlos und taub. Die imaginäre Schwere lastet wie Zement in derselben Ader und führt mich in Versuchung, mich dem Wahnsinn hinzugeben. Ein System der Angst: tausend Mal berühren, heimlich beten, den Schalter kippen, und kippen, und kippen. Woher diese Keile in unseren Lebensplänen wohl hervorgehen? Das selbst erwählte Leid im lichtlosen Schatten. Wie die Berge jenen vergilbten Postkarten ähneln und die Sehnsucht über längst Vergangenes streift. Oh warum diese Last? Die Weichen sind ohnedies gestellt.

Ich schneide den hasserfüllten Artikel entzwei. Ich schneide unbeholfen das Geschenkpapier in zu kleine und zu grosse Stücke. Ich schneide verheissungsvoll das Hosenbein in eine sommerliche Kürze. Ich schneide durch die lieblichen Tropfen, die sich zu fahlen Strichen ausweiten, wenn sie den Wolken entfliehen. Oder dem Boden. Oder diese Filmstreifen, die ich schneide und neu arrangiere und der Transformation mit Lust und Neugier begegne.

Feuertanz und Hochmut, Ehrfurcht und Verschmelzung, wenn alles still steht und ich mit meinen Sinnen die Flammenzungen streife, die Wärme in die Weite entgleitet und ich mit achtsamer Demut auf der Spitze, auf nackter Zehe, mich drehe, immer geschwinder bis wir uns einander hingeben wie das Licht dem Schatten, die Seerosen dem Morast, und das Leben dem Tod.

Ich lebe unter dem unbeschreiblichen Schirm einer Güte. Es ist alles was ich habe und alles das ich bin. Vielleicht ist es meine Aufgabe im Leicht zu leben, vielleicht.

Blickpunkt Vergessen

Das Vergessen messen, das Ausweichen vermessen, die Unlust im Abschied und hierin das Bewusstsein und die Dankbarkeit für Erinnerungen, auch wenn sie Vergangenes nicht wieder beleben können. Dieser eine Satz beinhaltet bereits die Vermeidung, das Umgehen der Tatsache, der Betrachtungsweise einer scheinbaren Realität worin vergessen nun wahrlich vermessen ist, denn es geht hier de facto um das Vermissen.

Vermissen. Typenunspezifisch. Diese innere Leere nach dem Heranwachsen und der Reife, der vollsten Blüte und der Vollkommenheit in Farbe, Duft und Empfindung. Ferner der durchdringende Klang, wenn jene Blüte spricht und die Wurzeln sich im Verborgenen recken, um heimlich diesem Schauspiel beizuwohnen. Hier der Keim der versteckte Welten in ihrer Pracht entblösst und dort auf den gezeichneten Venen des Flügelblattes die Verbindung zwischen Himmel und Erde mimt. In der Tat ein Vermissen des Paradies und weniger, zumal wir es auch hier kennen, in der Begegnung, in der Bindung, in der Beziehung und als Gefolge der Intensität und Erfüllung. Sodann das Abschminken und die verfärbten Tropfen in der Rinne der Zeit. Oh jenes Vermissen der blassen, feinen Haut, und des Lernenden, der Schnürsenkel verknotet und am Ende doch den Dreh raus hat. Und das sich vorantreibende Segel, den entlegenen Ufern sich entlang ziehend, wo Freundschaften in den Buchten des Lebens verweilen, unsere Liebsten die Himmelskörper über uns verzaubern und im Abschied das Vermissen lauert.

Ich mag es nicht. Ich mag diese Wahrheit nicht, diesen Schmerz nicht, dieses eine menschliche Attribut nicht, das innere Gräben öffnet und mit Schwere zuschüttet. Wohlweislich bin ich daran zu verstehen, zu akzeptieren – jetzt noch nicht, Geduld und ich sind wir uns treu.

Formel

Dieser eine Stich. Alles läuft nach Plan. Nur die Uhr ist ungenau. Tickt rückwärts, überspringt einen Tick, leidet an einem Tick und ist vielleicht gefangen im ewigen Kreis und ist vielleicht gerade im Selben frei, weil es daran festhalten kann und Bescheid weiss, was kommt, was kommen muss, was bei jeder Umdrehung lauert. Also bin ich Uhr? Mag ich Uhr? Kann ich Uhr mögen aber nicht Zeit? Uhrzeit. Dann lieber gleich Renaissance, das erneute Aufleben ganz entgegen der Zeit. Und vielleicht breche ich ein oder aus, wenn ich mich frage, ticke ich oder tickt es um mich herum?