Ich bleibe.

Montag, Dienstag, Mittwoch – Gestern, Morgen, Heute – damals und abertausend Mal der Zwang der Zeit, den wir uns selbst auferlegen. Was ist die wirkliche Zeit? Jene die an meiner Wand getrieben vor sich her tickt oder jene die unsere Gelenke zieren und unsere digitalen Gegenüber komplettieren? Ich hege leise und laute Zweifel und es dämmert mir, dass der Zeitbegriff losgelöst von uns Menschen ist. Das Zeit immer schon da war und vielleicht immer da sein wird.

Fragend wende ich mich an Berge, Blätter, Blüten und Wurzeln, ich staune in jene Tiefe, die sich nicht messen lässt, nicht in Meter, nicht in Füssen, nicht in irdischen Massen. Vielleicht bin ich taub, vielleicht geblendet, dass ich die Antworten nicht erschliessen, nicht deuten kann und möglicherweise finde ich mich hohlen Fussstapfen gegenüber, die irgendwo und irgendwann bereits getreten wurden und geduldig auf mich warten bis ich folge. Die universelle Sprache wiegt mich in diese andere Realität, die ich wohlmöglich ersehne und im Wirbel des Lebens immer wieder erhasche. Wo sonst beleben mich solch tiefrote Augenblicke, die ja, unserer Zeit entledigt existieren oder in einer anderen Form sein dürfen?

Das reine Vertrauen, das Leben und Tod sich umgarnen, der See in seinem türkisen Gewand mehr ist als die sich schaukelnde Oberfläche mit seichten Wogen, die Strahlen nicht in mir Leben erwecken oder erlöschen, vielmehr in Unabhängigkeit zu mir stehen, vergehen und jeden Tag wieder von Neuem den Glanz in ihren Augen hervorheben, ihren Sternen Gehalt geben, ihr Herz in rhythmisches Pochen liebkosen; darin finde ich Dankbarkeit und Demut. Ich darf klein sein in der Gegenwart dieser Wunder. Ich getraue mich hinzusehen und zu fragen und werde warten.