Diesel, und kein Atemzug, der berührt. Überall brennende Beine. Wer fühlt was? Gesang in meinem Kopf. Die Wolken dürften sich endlich entleeren. Etwas wiederholt sich immer. Ich traue mehr dem Schatten: Zeit nahm Fahrt auf noch ehe ich blinzelte. Jahre vergehen und alles ruft zum Halten an. Ich kehre jedem Stein den Rücken , ziehe von dannen und bin nicht näher. Nicht weiter. Ich könnte genauso hier sitzen und dem Kerzenschein horchen. Ich wäre nicht reicher. Und doch – so staune ich blind – hetze ich immer geradezu diesem schrillen Lebensschatten nach, der nur in meiner Fantasie Substanz vortäuscht. Würde alle Welt an mir vorbeiziehen, würde ich anhalten? Sag es meinen Beinen, die selbst in meinem Halbschlaf noch rennen, meinen Gedanken, die Ruhen nur aus Geschichten des Todes kennen und verspotten. Sag es meinem Geist, den ich in gelesene Seiten falte und verabschiede. Nein – schrei‘ es aus aller Kehle dieser inhaltslosen Verkleidung entgegen, mit der ich mich schmücke und befreie mich ein für alle Mal von ihr. Ich kann riechen, wie etwas stirbt und ich streiche liebevoll über die Venen eines vergilbten Blattes, das mich mit seinem Duft einst in ferne Gefilde entführte. Es bleibt ein Geschmack, von Tränen umhüllt – ist es die Ewigkeit, die mir auf der Zunge sitzt und mit meinem Herzen spielt? Auf Wiedersehen ich. Lange hast du mir gedient, aber ich bin dem Wettlauf müde. Geh fort, mögen dich die Beine weitertragen, verführe einen anderen. Übrig bleibt jener unverrückbare Lebensbestand , unfassbar, wie ein Lichtspiel auf des Sandkorns Oberfläche. Ein Tanz auf leisen Zehen, eine Pirouette über diesen Streifen Erde. Wie klein kann die Unendlichkeit sein? Und was lieber Walt, könnte mehr oder weniger sein als eine Berührung? Jenem tiefen Bewusstsein öffnet sich eine andere Zeit. Jetzt ist derselbe vermisste Atemzug so süss. Anhalten.
Archiv des Monats: August 2020
Seetiefen
Es ist ganz anders. Da ist keine Wahrheit. Nichts. Nur deine Hülle, dein leerer Körper, angeschwemmt, schwerfällig in den Wogen liegend. Ist dies nun Leben?
Zart unsere Begegnung
, wir, die einander nie kannten. Und dennoch. Ich schaue dir zu. Einmal meine ich dich zu sehen, wie du im Flügelschlag die Kanten der Wellen streifst. Dieselben, die dich hierher getragen haben. Jetzt sind deine Augen geschlossen. Sind es noch die deinen? Wie du wohl diese Welt in dir aufgenommen hast? Habt ihr miteinander den Geschichten gelauscht, die du über Wiesen und Wälder, Bäche und Flüsse getragen hast? …immer zurück zu deinem See. Oder warst du selbst das Leben; die Bäume
, tief im Waldinneren, die Flut aus den Gewässern, ein Tropfen im See?
In deiner leblosen Form schlägt mein Herz schneller als das deine. Vielleicht schlägt es auch nicht, weil in diesem Moment, wo ich hier mit dir stillstehe das gesamte Leben pulsiert. Ich lege meinen Körper ab, sanft neben den deinen. Ich entledige mich ihm, wie man einen lang getragenen Anzug von sich streift. Wir sind beide entblösst. Wir sind beide nichts. Ich dachte ich würde dich trösten, aber jetzt bist es du, der mich sieht. Ich entgegne dir ohne Worte, was du bereits weisst, dass es schön ist gesehen zu werden. So hältst du mich fest, innig, wie es nichts anderes gäbe. Ich fliege mit dir. Grenzenlos, körperlos, gedankenlos – frei. Wir sind Schlag auf Schlag Puls, Atem – fortan vertraue ich jedem Fallen, Steigen, Gleiten, jedem Flügelschlag dieser Vollkommenheit, die an keinen Körper, an keine Gestalt gebunden ist.