Behutsam zieht ihr eure Runde – sie gleicht einer Ehrenrunde – die letzte in dieser sichtbaren Welt. An jeder Stelle
, der Bedeutung anhaftet, macht ihr Halt. Wie aus einer Hand hebt ihr den kleinen, blauen Stein mit den feinen, weissdurchzogenen Schleiern hervor, und lässt ihn sich jeden Moment verinnerlichen. Die Frage nach einer weltfremden Magie ist hinfällig, zu sehr ebbt hier Leben in aller Kraft auf als, dass ein Zweifel Nahrung finden würde. Was sorgsam anmutet, ist das Bewusstsein über das Leben, wie jede bedeutungsvolle Regung der Muskeln in der vorgehaltenen Hand verrät. Stein, wie bist du sichtbar! Ein Glühen entspringt dir, fesselt sanft das Herz, wie die Hingabe dein Wesen erobert.
Es liegt die Kraft in euer Beiden erscheinen. Eine stille Feier des Lebens, die eurer Anwesenheit bedarf. Mutter und Tochter. Erst Zuschauer
, dann Akteure im brodelnden Muster der Zeit – heut ein Streicher in andere Gefilde, indes die Unendlichkeit sich euch öffnet. In jener Öffnung hat dich seit Anbeginn die Lebensblüte umgarnt, dich mit dem Menschsein verwoben, dir Atem geschenkt, dich in diesen süssen Nektar geweiht, von dessen Ursprung du dich immer erfrischest; durch alle Gezeiten: Kindheit, Jugend, Alter. Ein weicher Kuss verweilt über deinen Geschichten. Erinnerungen. Wenn Steine lächeln und Winde tanzen, das Blau seinen Schimmer säht, seid ihr innig verbunden.
Steinträger, nun selbst ergeben, einmal noch Besucher, das Wesentliche im Herzen. Es ist die Begegnung mit der Schöpfung. Im Inneren ein leises Pochen, wie ihr die Funken deiner Jahre aufblitzen lässt. Hier hast du gelacht, deiner Mutter gedacht, in dir dein Kind getragen, etwas hinter dir gelassen, und dort der Musik gelauscht, seine Hände betrachtet, Melodien, die in Tulpen münden, ach die Farben, die dir Tränen entlocken, immer noch das Blau. Eine zarte Welt von Furchen umschlossen, in diesem getragenen Gewand deiner Gestalt, ein wissendes Nicken in Richtung des Horizonts. Stein und Liebe vereint. Niemand nimmt nichts. Zeit lauert
, blickt beinahe zärtlich über die Schulter der Veränderung, auch sie hält inne, nur zwei – ihr zwei; eins.