Alle Beiträge von Nick

All letters

All letters on my keyboard, all letters seeping through the tip of my tongue, all letters randomly forming into words like endless streams of thought. Letters boldly folding the miracles in and around us into repetitive patterns, echoing our limited human presentations in language that we use to classify, to order, to possess. This language strikes me as foreign to the heart. Does the heart want to possess or be possessed?

Sometimes, little heart, I feel I can savor every one of your beats. But often I revel in an outer world, turning and turning in circles of nothingness, blinded by illusions, deluding my very senses. I find myself so far, and though you continue your incessant, knocking thesis of life, sometimes we seemingly grow faint in our affection for one another.

Oh, my dear heart, don’t let us become strangers to ourselves. If we at our cores become polluted by all things around us that perish in meaning and significance, then who are we? I wonder, you, soft-spoken treasure, granted to us as a gift, not fixed on any condition, not stuck in the hollow maze of shiny tokens and riches – I wonder: does your stillness entice us into your depths, so that we may interlace our purposes anew? I have little doubt that they are in their essence the same.

So here I stand and weep for I recognize you as the forgotten soul of the universe, adjoining every one of us. In stillness I count your vibrations in the big and the small, devouring the crest of each of your waves, motions so pure, in the cusp of my hand, each length of life running across a finger. I cannot bring to a halt your surge. All I can contribute is to be here entirely. To be; as in these same folds language then becomes obsolete, and we, at once, unified witnesses and participants in this miracle.

Leben

Hier, goldener Engel, trage das Licht, das immer scheint. Grenzenlos, golden deine Flügel, deine Augen, geschlossen, die Hände gefaltet, kniend. Da, jenes Licht, dass mich und dich umfasst. Bist du Kind? Bist du Erwachsener? Bist du Mensch? Wenn alle Worte entfallen und ich die Grenzen meines Verstandes aufhebe bist du weder das eine noch das andere. Vielleicht bist du einfach. Und ich mit dir. Engel sein, Uhr sein, Tisch und Stuhl sein, du gleitest mir über fremde Lippen und legst Staub in die weiten Winkel dieser Welt. Da diese seltsamen Kreise auf meinen Fingern, dort die verworrene Haut; fortan entdecke ich dich überall. Ich kann dich nur aus meiner Begrenztheit benennen, also höre ich damit auf.

Hach – Leben. Wer oder was bist du? Ich habe so viele Fragen an Dich, doch glaube ich, dass die Wichtigsten unbeantwortet bleiben werden. Das ist ok. Du, Leben, glaube ich bist viel mehr, für den Menschen nicht greifbar, nicht in Gedanken und nicht in Worten. Vielleicht jedoch im Erleben und in Erfahrungen, in Gefühlen. Dann ist die Freiheit unendlich und wir sind darin verbunden. Wie kann ich das nicht wissen, wenn eine innere Berührung Ja dazu sagt? Whitman fragte einst: „was ist mehr oder weniger als eine Berührung?“. Ich möchte mich Dir ganz hingeben; leben.

Aus meinem Inneren steigen Gefühle auf, die ich wahrnehme. Immer sind sie schon da, und wenn die Wolken weichen, erkenne ich die Sonne in ihrem Ganzen. Meine Tränen verlassen den Äther und verabschieden sich von Trauer und Freude. Da ist viel mehr und es ist tiefer, tiefer als je zuvor. Ich gebe mich hin. Nichts ist mehr oder weniger real als du, goldener Engel. Ich fühle Dankbarkeit und Demut in diesem unbegreiflichen Nichts. Ich liebe Dich, Engel, Tisch und Stuhl, aber noch mehr durste ich nach eurer vereinten Quelle des Lebens.

 

Hinaus

Eines Tages muss ich gehen, hinausgehen, weggehen, mich verneigen und verabschieden. Mit beiden Beinen aus dem Karussell aussteigen und nur aus der Ferne wahrnehmen, wie es sich immer und immer wieder um die eigene Achse dreht, zurücklassen jene Formen und Figuren, die ich so gut kenne, die meinen Alltag prägen und bestimmen, in heiteren Farben und Klängen. Bis heute weiss ich weder die Regel noch das Ziel, ich glaube nur die Endgültigkeit zu ahnen, dass es zu Ende gehen wird. Was, zwischen Jetzt und Danach ist meine Aufgabe? Ist es ein Rätsel? Oder sind es Weltmeere, die sachte ineinander hineinschaukeln, Wogen wecken und sich über den Erdball erstrecken bis ich sie alle entdecke?

Vielleicht ist es ein schauriges Spiel und ein bezauberndes zugleich. Und vielleicht liegt die Aufgabe darin die Regeln aufzudecken und sich der scheinbaren Willkür hinzugeben. Vielleicht geht es darum anzunehmen, dass weder Anfang noch Ende mitbestimmt werden können. Alleweil scheint es mir mysteriös, tief beängstigend und dennoch irgendwie blendend. Ich kann nicht einmal in die Wagnis hineinraten, warum ich gerade in dieser Konstellation, mit diesen Attributen, diesen Menschen und zu dieser Zeit mitspielen darf oder muss. Vielleicht, oder gerade darum, unter diesen Gegebenheiten, möchte ich aussteigen.

Hinaus; mich getrauen. Von scheinbarer Sicherheit nach und nach Abstand gewinnen. Nicht der Sicherheit zum Trotz, sondern im Bewusstsein, dass sie trügerisch ist, uns bloss bis ans Ende geleitet, was ohnehin unvermeidbar ist. Eine Sicherheit, die vielleicht unsere Gefühle zu schonen versucht, dass sie nicht überschwappen, dass die Musik uns weiter heiter im Kreise dreht. Ich mache eine Bewegung hin zu all dem, was noch sein darf. Plötzlich stehe ich zwischen den Noten, die tanzen, mein Haar zerzausen, und streichle die Pferde Ade, küsse die harten Mähnen in Verbundenheit, denn ich ahne, auch wenn ich retourniere kreisen sie noch, auch wenn ich aus der Ferne schaue, auch wenn ich meine Augen schliesse, ja sogar, wenn ich nicht mehr bin. Schritt um Schritt entgegen dem Lauf, dann der Sprung, eine weiche Landung, etwas verloren, plötzlich draussen.

Was empfängt mich nun?

(Ich schmunzle ganz verborgen über mich selbst und über dieses Abbild. Ich erkenne Tage und Jahre, die ich bereits auf dem Karussell mitreite. Ich erkenne, dass sich selbst mein Körper, meine Gefühle und meine Denkweise auf dieses Kreisen abgestimmt haben. Ich erkenne, dass scheinbar so, so viel dafür spricht weiter zu drehen, immer fort, dann ist der Mensch sicher. Ich erkenne (noch nicht) alles und jeden, dass mich zurückhält. Weil wir alle die gleiche Angst pflegen.)

Also ist es vielleicht gar nicht meine Wahl, ob ich bleibe oder gehe.

Vorhänge

Davon weggehen, dass kenne ich. Da schmunzle ich gar etwas verstollen. Ich habe gelernt und erkannt, dass ich als erstes in Gedanken auf Distanz gehe. Ich habe entdeckt, dass ich meine Gedanken nutze, um die Stille zu füllen, um mich auszutricksen, damit ich mich nicht hingeben muss, um der Angst auszuweichen. Wenn der Gesang durch meinen Kopf eifert, dann im Dienste des Vermeidens. So auch die Gedanken, die so gerne schützen vor dem vermeintlich Schlimmen. Daraus resultiert ein sonderbares Schauspiel, und ich bin mittendrin. Bisweilen kann ich kaum unterscheiden, ob ich nun der Regisseur bin, der Hauptdarsteller oder eine Nebenattraktion. Aber es ist immer der gleiche Ablauf: die Sensoren meinen eine Angst zu erkennen, blitzschnell aktivieren sie den Alarm, dieser fährt seine ganzen Geschütze auf und verbarrikadiert sich gegen den Feind. Sie erkennen im Feind bereits einen solchen, abtrünnigen noch ehe er sich selbst als solchen identifiziert. Eigentlich sind die Gedanken Ursprung der Ängste.

So sitze ich dem Jungen gegenüber und erzähle ihm vom Ritter und vom Schloss und vom Drachen. Er findet Ruhe auf der roten Couch, lauscht, versetzt sich in den Rausch der Geschichte, sieht fortan die Rüstung um den Helden gewoben, das Schwert in dessen Hand, die Zuversicht im Kopf, nach dem Schatz strebend, verborgen hinter dicken Mauern, ahnt Reichtum, ahnt Besitz und einen Hauch Angst. Denn zwischen Schwertspitze und Schatz lungert das Monster mit feurigem Atem, haust alles, was er immer versteckt, tief in seinem Inneren, vergraben nicht was war, sondern was sein könnte. Alle fanatisch angerichteten Schablonen einer Welt, die aus der Wurzel der Angst Bestand finden. Hier die Mauern, die er selbst errichtet hat. Hier die sagenumwobene Pforte, so schwer und undurchdringlich, die Grauen verspricht. Hier die Zinken hinter welchen sich das Entsetzen verschanzt. Und tief verborgen im Verliess, hinter Drachen, Mauern, Pforte und Zinken, hinter Irrwegen, die nur darauf abzielen möglichst weit, weit weg zu entrinnen, hinter Zweifeln und törichten, inneren Bildern der schwarze Vorhang, der in Starre sich windet, mit ihm alle Hoffnung auf einmal verschwindet.

Bis die Wahrheit zu Lichte getragen, der Ritter erfährt, dass er sich nicht auflösen kann, durch den Vorhang hindurchprescht und sich dem Schmerz fügt, sein Schwert niederlegt, sein Herz in Händen trägt, mühevoll, nicht in Kraft, jedoch im Loslassen, die Angst sachte begräbt.

(Einfach geschrieben, schwieriger durchlebt…Vermeidung trägt so viele Gewänder)

was ich noch sagen wollte

Nicht viel. Nicht wenig. Was gibt es noch zu sagen? Manche gehen durch das ihre Leben ohne sich dessen bewusst zu sein. Manche haben Glück. Manche stehen am Ufer, sehen im See ein Meer, sehen wie sich das gekrümmte, gegenüberliegende Ufer zu scheinbaren Inseln formt. Die Sturmlichter derweil entgegen dem aufbrausenden Wind im Takt vor sich her blinken. Äussere Unruhe, innere Klarheit. Äussere Ruhe, innere Vernebelung. Was wohl die anderen denken?

Loslassen – der Sprung ins Wasser. Die Strassen sich verengen, zu Furchen werden, die Häuser trennen, so klein nun die Menschen, die zurückbleiben, es wird stiller, still. Und, wie er einst erzählte, stets geradeaus schwamm, der Boden unter seinen Füssen wich und ihm die Angst über die Haut fuhr, ihn streichelte. Doch er liess von ihr ab, glitt weiter über die geschlossenen Tropfen des Meeres. Immer zu, selig im Vertrauen, dass er ja schwimmen kann! Das die Tiefen sein mögen, doch fütterte er diese Gedanken nicht, liess die Tiefe Tiefe sein und schwamm weiter. Ho, du lieber, vertrauender Schwimmer!

Ich löse mich: los; auf; allmählich. Die Gewissheit, dass es in jedem Leben möglich ist.

Weg und Beginn

Der Schweiss, diese drückende Wärme von Innen, die Ellen hoch bis in die einzelnen Fingerspitzen. Klebrige Unterarme, und ein zarter Atem, der Momente verrückt. Der altbekannte, wiederkehrende Schauder, obschon es nicht friert, obschon. Grundlos. Sinn.

Was ist das für ein Leben? Ein Kind fragte einst: „warum gibt es Menschen?“. Wir beide wissen es nicht. Nicht die Nacht noch der Tag, blau im Sturm, der über die Bergwipfel fegt, dort ein Regenschauer, da ein Blitz, weit, weit die Sonne verbrannt. Was das Gelebte, was das Ungelebte? Ein Donner raunt über die dünne Schale, die mich umgibt. Was Täuschung, Fehlleitung, vorbei, ich sehe verschwommen die roten Blenden, ziehen um die Kurve, verblassen. Welchen Kurven ich wohl ausgesetzt war, sie mir aufsetzte wie Leitplanken, weil ich scheinbar nicht anders konnte, wusste?

Schuld zerfliesst; Verantwortung in den Riemen, die über meinen Rücken fahren. Mut Verantwortung zu leben. Mut zu leben. Mut, etwas Bisheriges umzustülpen, verkehrt zu tragen, zuzugehen, den Blitz zu fühlen, wie er den Raum durchtrennt, die blinden Äste in schweigender Nähe an die Handinnenfläche schmiegen lassen, und mit jedem weiteren Schritt den rotgefärbten Himmel in tausend Sequenzen, wie ein stetiges Blinzeln angesichts der Wirklichkeit, empfinden.

Die Sicherheit und Kontrolle, und jüngst die Mutter, die jene Angst erkannte und im Dialog die Flucht ergriff, in Gedanken, Impulsen, tausendfach gelebt. Ja, ich kenne sie. Lasse mich irreführen, führe mich irre, da ist es wieder verrückt. Und alles um jenes eine zu vermeiden: die Angst nicht mehr zu sein. Einmal mehr, mein Rot, zuoberst im Ampelschein, rundum Verbote, doch lieber Vorboten, lieber Wegweiser und Fremdenführer durch die Gefühle hindurch – „Leere, Liebe, Bewusstsein“. Mein Antrieb streicht mir liebevoll über meine Haare und flüstert in mein Ohr, Worte, die nur ich verstehen kann, lässt Fingerkuppen Haut berühren, die nur ich spüren kann, und lässt Verbundenheit in Licht und Schatten gewahr sein, wie nur ich es fühlen kann. Verbunden mit. Hallo.

Fern aller Erde, Baum, Mensch

Das allein Sein auf einem Planeten, fernab von Heim und Frau und Kind. Ich kann es weder sprechen, noch flüstern, schreien oder beten, weder schreiben noch singen. Ja, Schreie ausstossen möchte ich, meterhohe Gefühle malen, Orkane herbeispüren, das Rauschen bändigen und die Stille ausfüllen, weil ich es nicht halten, nicht aushalten kann.

Innerlich diese abgrundtiefe Angst, Gefangenschaft, ertrinken. Was wenn es keine Worte gibt, keine fassbaren Stricke, keinen menschlichen Ausdruck dieses überwältigenden Erlebens?

Wo anfangen? Wo kein Ende in Sicht. Die Rundungen, getrieben, sich jagend und streckend bis der Horizont sie verschluckt. Links, wie rechts, derselbe graue, staubige Teppich. Mein Blick, nach vorne gerichtet, leicht gesenkt, nur die Augen sich bewegen, die Lider ungeachtet loszulassen scheinen.  Es atmet durch mich, es pulsiert in mir, irgendwo in der Ferne die fallende Herzfrequenz, und tief in meinem Inneren, beherbergt und doch ungehalten, ein Gefühl.

Keine anderen. Ich, in der Weite der Ferne. In der Weite der Fremde. Der Weite ausgeliefert. So als ob weder Zeit noch Raum, noch die Essenz existieren würden. Wenn ich mich auf allen Kanälen vollends verschliesse bleibt mir die Illusion eines flüchtigen Moments erhalten. In dieser einsamen Sekunde kann ich mich aus den erstarrten Flocken heraustanzen, meinen Körper ausdehnen und jede einzelne Himmelsfaser ungedacht und unbegrenzt in mir empfangen. Die Unendlichkeit bestaunen, die sich mir anschmiegt und mich ohne Argwohn verbindet. Dem zarten Kristall lauschen, wie er fallen könnte, und dieser täuschenden Zeit gerecht werden. Gedankenspiele.  Ein schweres, langgezogenes „Ach“. Der gedrosselte Atemstoss, der nicht vernehmbare Klang und immer noch der endlose Kosmos, sich krümmend, falzend und wölbend.

Das ungehorsame Schweigen das hier und jetzt zerbricht, wenn ich meinen Mund öffne und doch keine Laute spreche. Und wie sie gefallen sind, wie die Verprassten, und ich nur diesem Gefühl Geleit schenke, so entbinde ich mich jenen Schichten, die mich über Jahre, unter dem Vorwand mich zu schützen, verdeckten. Die Fäden lösen sich aus jenem Garn, der mich in Normen verwickelte, in Erwartungen und Haltungen und fremden Moralen. In diesem Vakuum zieht eine Stimme in einer ungeheuren Reinheit Frieden herbei bis ich mich diesem Gefühl ganz hinzugeben vermag.

Tiefer, tiefer, immer tiefer. Der Fall. Oder das ewige Halten und nicht loslassen können. Angst vor dem, was da kommen mag. Hier trennt sich der Schatten vom Licht. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. … Oh. Ein Hauch. Langsam darauf zu oder davon weg. Langsam wird es dunkel, die Wände reissen sich gegenseitig immer fort, wohin ich schaue Türen und Tore, Gitter und Fallen, kopfüber, seltsam verkehrt. Alle Wege sind plötzlich Irrwege. Die Schrift verschwimmt, der Atem rinnt, der Puls entweicht, die Haare legen sich Quer über die Haut, die Nägel verblassen, der Lippenduft wendet sich sanftmütig der Leere entgegen, und niemand und nichts ersetzen die eigene Lehre. Wie ich so Schritt um Schritt einen Gang durchstreife blicke ich zurück auf mein Leben und zähle jeden Finger in Andacht an jede Note, jedes Wort, jeden holden Muskel in An- und Entspannung, die gekrümmte Seite eines einzelnen Atemzugs, und streife ab was war. Und gehe weiter. In durchzogenen, farbigen, kaum sichtbaren Streifen bewegt sich der Moment vorwärts, oder scheint zu verharren als ich mich ihm nähere. Eine Abhandlung der Vergangenheit, die sich immer wieder an mich schmiegt, meinen Schritten ein Echo verleiht und mich in ihre Arme locken möchte. Ungeachtet dessen oder mit dem täuschenden Blick über die Schulter, oder dem hängebleibenden Gedankenspiel, schiebe ich den Fuss vorwärts. Die Gewichte haften. Ich krümme den Zeh, setze die Sohle, Rolle den Ballen, trete sachte auf, die Streifen an mir vorbeiziehen, das Vergangene insistiert, ich schüttle, es frostet mir, der Atem stockt. Ich ruhe. Ich, Ruhe. Im Sturm das Auge, ein leichtes, unscheinbares Nicken, akzeptieren, hingeben. Der Raum verschliesst sich und formt eine Kugel, die mich umgibt. Die Türen und Tore enden in der Einwirkung der Vergänglichkeit. So das runde Sein aus der Zeit verrückt als ich den Moment ergreife. Mein Bewusstsein schnappt zu, etwas dreht sich um mich herum, etwas bebt unter meinen Füssen, etwas Sauerstoff kratzt an meiner Lunge. Ich stehe fest im Moment und bin da. Und weiss das Fallen birgt Angst.

Ich bewege nicht Atem, ich rausche nicht Blut, ich zucke nicht im Muskelfundament. Das innere Erleben leitet. Ja, gleitet, in neuen Räumen und Gängen, auf einer anderen Ebene, vielleicht auf einer anderen Wahrheit. Die Gefühlsflut bricht an. Ich muss es erleben, zulassen. Loslassen.

Vita

An viele habe ich geschrieben, aber an dich noch nie. Wir haben uns nie kennengelernt. Wir werden uns nie kennenlernen.

Es war Samstag. Ich habe gewartet, aber nicht auf dich. Da warst du. Und dann warst du weg.

Ich kenne deine Geschichte nicht. Wenn ich versuche sie zu rekonstruieren, so weiss ich, dass ich dir nicht gerecht werde. Wie kann ich dir auch jemals gerecht werden? Wer weiss schon etwas über den Anderen, wirklich etwas? Also nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich nur den Schatten deines Lebens auf eine weisse Leinwand auftrage und dabei Farben und Ebenen vermische.

Wie ich da stehe, Pinsel in der Hand, überkommt mich dieses drückende Gefühl, das mich lähmt. Ich sehe, wie du heranwächst. Heran an jenes „Gross sein“, dass wir manchmal erstreben, manchmal ersehnen, niemals vollends erahnen und beschreiben können. Deine ersten Versuche es deiner Mutter gleich zu tun. Diese ungeschminkte Auseinandersetzung mit deiner Welt, das Zerwürfnis, der Frust, ein weiterer und noch ein weiterer Versuch, die Leichtigkeit und Befreiung als du es schaffst. Dich schwungvoll um die eigene Achse drehst, die Tiefen und Höhen berührst, lustvoll deine Weite begreifst und auskostest, ein Plätzchen da, eines dort erkundschaftest. Im Wind, Augen geschlossen, dieser Bruchteil ineinander verschachtelter Dimensionen, zusammengedrängt, um dir dieses grenzenlose Erleben zu gestatten…los, los du sachter, kleiner, ergebener.

Als wir uns begegnen hallen die unerreichbaren Glockenschläge noch in meinen Ohren. Es ist knapp 12 Uhr. Alles pfeift, frohlockt. Ich habe meinen Rucksack gepackt. Eine Kanne Tee, zwei Äpfel. Ich nehme dich nicht wahr, bloss dieses Geräusch. Als sich die Uhr eine Minute vorgeschoben hat, bist du nicht mehr. Ich sehe hilflos zu, wie du leidest und es schüttelt mich von Kopf bis Fuss. Jemand räumt dich aus dem Weg, aber niemand kann dir helfen. Die Räder rollen weiter. Ein kurzer Blick zurück. Irgendwo im Gebüsch erahne ich dich und fürchte deinen Anblick zugleich. Die Vögel pfeifen weiter als wäre nichts geschehen.

Ich weine still. Der Himmel müsste weinen, sich öffnen, die Strassen in einer Flut mit sich reissen. Die Menschen und Tiere müssten innehalten. Ruhe müsste sich breitmachen, in Respekt, in Erbarmen, im Mitgefühl, dass dich von dieser Welt trägt. Selbst die Gräser und der Wind müssten verstummen, ihr Spiel vertagen, damit das selbstlose Wachstum seine Ohren spitzen und in der Atempause des Lebens deinen Tod anerkennen könnte.

Aber die Zeit prescht vor, die Uhrzeit – es ist 12.02 Uhr und die Welt hat dich bereits vergessen. Ich kehre der Strasse den Rücken, drehe den Schlüssel im Schloss, entledige mich meiner Schuhe und lasse mich fallen. Gutgütiger, eine Spur hast du hinterlassen. Spuren verwischen, verwaschen. Ich kann den Moment nicht anhalten, bloss feststellen, dass es ihn gibt. Gab.

Heute gedenke ich dir. Lieber Unbekannter. Fühle mich in dieser Zeile verbunden.

Mondschichten

An diesem Heute herrscht der Vollmond. Und ich? Ich stehe darunter, fernab, schaue hinauf, den Kopf im Nacken und ein kalter Schauer fährt mir von den Fingerspitzen die Arme hoch. Ich schlucke und bemerke wie sich dieses Gefühl in mir ausbreitet, meine Schultern vibrieren leise und jeder Atemzug schüttelt mich. Hinter meiner Stirn löst sich ein scheinbar warmes Empfinden und eine seltsame Leichtigkeit entsteigt meinem Haupt. Ich kringle und plätschere innerlich und möchte mehr, mehr desselben. Meine Augenlider flimmern. Ich spüre einen Strom der mich ausdehnt und geschlossene, zarte Kreise, die sich um mich winden, endlose Schlaufen ziehen, und alles scheint sich zu drehen. Ich zittere still am ganzen Leibe.

Wenn ich loslasse verzieht sich mein Gesicht und demaskiert meine menschliche Gestalt. Gefühle jagen durch die unendlichen Dimensionen meines Erlebens und ein Sammelsurium derselben verwischt sämtliche Grenzen zwischen Freude und Trauer, Wut und Angst. Ich lache weinend eine Träne über meine gerümpfte Stirn, schreie Orkane ins Erwachen und ziehe mich zusammen, Säugling, kleines Wesen, weite Ferne; alles versagt, alles stockt, alles. Zurückbleibt die Gewissheit, dass Kontrolle eine Illusion ist und jene Auffassung, die im vollständigen Loslassen ein sanftes Entschlafen vermutet.

Ach, lieber Mond da oben: bist du frei? Warum umkreist du im vermeintlichen Gehorsam unsere Erde Tag für Tag? Du gibst dich diesen Begebenheiten hin, die unsere Ahnung, unser Wissen, ja uns Menschen übersteigen. Und ich? Ich stehe immer noch unter dir, fernab, schaue hinauf und fühle mich mit jedem Atemzug im Leben. Da schaudert es mich wieder. Und es bleibt mir nur die Einsicht, dass ich mich vor deiner Hingabe fürchte und mich in Widerstand fliehe. Und dennoch, ein leises „aber“ entgleitet meiner Seele und flüstert mir in wachsender Gewissheit Mut und Vertrauen zu…“lass es geschehen“.

Angst

Ha, Angst. Bist du mächtig. Oder ermächtige ich dich?  Mich interessiert die Frage: würde mehr fühlen bedeuten mehr Angst zuzulassen?  Lässt mich ein tieferes Empfinden intensiver in dich eintauchen?

Ich stehe gerne bis zu den Knien im Wasser, bis zur Hüfte, bis zur Schulter. Dann werde ich zögerlich. Sage es ist nicht mein Element. Möchte den Boden unter den Füssen spüren. Jenes Weitere macht mir Angst. Ich verliere den Halt. Ich weiss nicht was kommt. Ungewissheit. Meine Gedanken Färben die Lücken ein, sie sind tief schwarz, undurchschaubar, haben einen Sog, ziehen immer fort. Und so bleibe ich stehen. Da, wo es sich gut anfühlt. Da, wo ich in Sicherheit bin, Kontrolle habe, jenem aufsteigenden Gefühl noch rechtzeitig entfliehen könnte. Meine Beine würden mich dem rettenden Ufer näherbringen, ich könnte mich ausruhen, aus der Ferne beobachten. Aufatmen.

Ja – Angst. Dieses Aufhorchen meiner innersten Gewebe, die Körper, Geist und Seele umschnüren, den Draht spannen, beklemmen, so dass ich mit gestreckten Armen daran hänge. Unten das wirkende Bodenlose. Meine Kraft, die allmählich nachlässt, die ich aber nicht bemerke. So eindringend dieses Gefühl, überwältigend und betäubend. Das Rationale ertränkend, den Körper in den Notstand fehlleitend. Dem inneren Auffressen ausgeliefert. Dann der Ausbruch. Weil niemand dies möchte, weil niemand dies aushält. Vorher vermeiden, Fluchtwege erahnen, weg, weg, weg.

So mächtig bist du Angst. Treibst meine Gedanken ins Unendliche, manipulierst meinen Körper und vergiftest mein Handeln. So mächtig…wenn ich dich zulasse. Und darin bin ich gut, sehe ich doch deine gekünstelten Warnschilder noch ehe sie über den Horizont tänzeln, ja, ich meine sie bereits an der scheinbaren Vibration der Erde zu erahnen, und weiche.

Was nun, wenn ich auf dich zugehe? Was würde passieren? Wie gross kannst du werden?  Wie stark? Was passiert, wenn du alles in mir hochfährst und ich nicht kapituliere? Was bleibt? Was dann? Was danach? Sag es mir.

Liebe Angst, von tausend möglichen Begegnungen mit dir, graut es mir tausend Mal vor dir. Nicht ein einziges Mal würde ich dich herbeiwünschen. Gewiss bist du auch Warnung, möchtest Sicherheit schaffen, meinst es ja nur gut. Aber du beschränkst. Du schränkst ein. Du limitierst. Und ich mit dir. Ich limitiere mich in dem ich auf dich aufspringe, wie auf einen Güterzug, der den Schienen entlang gleitet, an jedem Waggon einen nächsten nach sich zieht, immer mehr, immer dunkler, immer schwerer, bis ich mich gequält entschliesse abzuspringen. Die Rettung, uff, geschafft. Oder bist du sogleich gewachsen? Habe ich gerade die Botschaft gesendet, dass wenn du dich so aufbauscht, ich mich füge, so, dass du mit der Zeit nur mit der Achsel zu zucken brauchst und ich bereits spure?

Nun stehe ich an der Schwelle. Wie so oft. Und frage mich, was, wenn ich mich dir hingebe? Was geschieht, wenn ich den Sand nicht mehr krallen kann und auf dich zugehe? Ich bin überzeugt, du hast einen Anfang und ein Ende. Ein Teil von mir möchte herausfinden, was nach dir kommt. Und dieser Teil spürt in entfernten Ecken Ruhe einkehren. Vielleicht das leise Summen im beschatteten Tal, von Felswänden umgeben, die sich recken, die stetig den Laut vorantreiben, über Felder gleiten, in Teiche eintauchen, und im heiteren Flügelschlag mit dem Wind Saltos schlagen. Vielleicht der wiederkehrende Kampf raus aus dem Geburtskanal, dann die Befreiung, und immer wieder ein geräuschloses Sterben. Ich möchte diesem Teil Gehör schenken.

Angst kommt und Angst geht – nimm mich mit auf deine Reise und lass uns gemeinsam entdecken, welche Weiten es noch gibt.