Vorhänge

Davon weggehen, dass kenne ich. Da schmunzle ich gar etwas verstollen. Ich habe gelernt und erkannt, dass ich als erstes in Gedanken auf Distanz gehe. Ich habe entdeckt, dass ich meine Gedanken nutze, um die Stille zu füllen, um mich auszutricksen, damit ich mich nicht hingeben muss, um der Angst auszuweichen. Wenn der Gesang durch meinen Kopf eifert, dann im Dienste des Vermeidens. So auch die Gedanken, die so gerne schützen vor dem vermeintlich Schlimmen. Daraus resultiert ein sonderbares Schauspiel, und ich bin mittendrin. Bisweilen kann ich kaum unterscheiden, ob ich nun der Regisseur bin, der Hauptdarsteller oder eine Nebenattraktion. Aber es ist immer der gleiche Ablauf: die Sensoren meinen eine Angst zu erkennen, blitzschnell aktivieren sie den Alarm, dieser fährt seine ganzen Geschütze auf und verbarrikadiert sich gegen den Feind. Sie erkennen im Feind bereits einen solchen, abtrünnigen noch ehe er sich selbst als solchen identifiziert. Eigentlich sind die Gedanken Ursprung der Ängste.

So sitze ich dem Jungen gegenüber und erzähle ihm vom Ritter und vom Schloss und vom Drachen. Er findet Ruhe auf der roten Couch, lauscht, versetzt sich in den Rausch der Geschichte, sieht fortan die Rüstung um den Helden gewoben, das Schwert in dessen Hand, die Zuversicht im Kopf, nach dem Schatz strebend, verborgen hinter dicken Mauern, ahnt Reichtum, ahnt Besitz und einen Hauch Angst. Denn zwischen Schwertspitze und Schatz lungert das Monster mit feurigem Atem, haust alles, was er immer versteckt, tief in seinem Inneren, vergraben nicht was war, sondern was sein könnte. Alle fanatisch angerichteten Schablonen einer Welt, die aus der Wurzel der Angst Bestand finden. Hier die Mauern, die er selbst errichtet hat. Hier die sagenumwobene Pforte, so schwer und undurchdringlich, die Grauen verspricht. Hier die Zinken hinter welchen sich das Entsetzen verschanzt. Und tief verborgen im Verliess, hinter Drachen, Mauern, Pforte und Zinken, hinter Irrwegen, die nur darauf abzielen möglichst weit, weit weg zu entrinnen, hinter Zweifeln und törichten, inneren Bildern der schwarze Vorhang, der in Starre sich windet, mit ihm alle Hoffnung auf einmal verschwindet.

Bis die Wahrheit zu Lichte getragen, der Ritter erfährt, dass er sich nicht auflösen kann, durch den Vorhang hindurchprescht und sich dem Schmerz fügt, sein Schwert niederlegt, sein Herz in Händen trägt, mühevoll, nicht in Kraft, jedoch im Loslassen, die Angst sachte begräbt.

(Einfach geschrieben, schwieriger durchlebt…Vermeidung trägt so viele Gewänder)