Das allein Sein auf einem Planeten, fernab von Heim und Frau und Kind. Ich kann es weder sprechen, noch flüstern, schreien oder beten, weder schreiben noch singen. Ja, Schreie ausstossen möchte ich, meterhohe Gefühle malen, Orkane herbeispüren, das Rauschen bändigen und die Stille ausfüllen, weil ich es nicht halten, nicht aushalten kann.
Innerlich diese abgrundtiefe Angst, Gefangenschaft, ertrinken. Was wenn es keine Worte gibt, keine fassbaren Stricke, keinen menschlichen Ausdruck dieses überwältigenden Erlebens?
Wo anfangen? Wo kein Ende in Sicht. Die Rundungen, getrieben, sich jagend und streckend bis der Horizont sie verschluckt. Links, wie rechts, derselbe graue, staubige Teppich. Mein Blick, nach vorne gerichtet, leicht gesenkt, nur die Augen sich bewegen, die Lider ungeachtet loszulassen scheinen. Es atmet durch mich, es pulsiert in mir, irgendwo in der Ferne die fallende Herzfrequenz, und tief in meinem Inneren, beherbergt und doch ungehalten, ein Gefühl.
Keine anderen. Ich, in der Weite der Ferne. In der Weite der Fremde. Der Weite ausgeliefert. So als ob weder Zeit noch Raum, noch die Essenz existieren würden. Wenn ich mich auf allen Kanälen vollends verschliesse bleibt mir die Illusion eines flüchtigen Moments erhalten. In dieser einsamen Sekunde kann ich mich aus den erstarrten Flocken heraustanzen, meinen Körper ausdehnen und jede einzelne Himmelsfaser ungedacht und unbegrenzt in mir empfangen. Die Unendlichkeit bestaunen, die sich mir anschmiegt und mich ohne Argwohn verbindet. Dem zarten Kristall lauschen, wie er fallen könnte, und dieser täuschenden Zeit gerecht werden. Gedankenspiele. Ein schweres, langgezogenes „Ach“. Der gedrosselte Atemstoss, der nicht vernehmbare Klang und immer noch der endlose Kosmos, sich krümmend, falzend und wölbend.
Das ungehorsame Schweigen das hier und jetzt zerbricht, wenn ich meinen Mund öffne und doch keine Laute spreche. Und wie sie gefallen sind, wie die Verprassten, und ich nur diesem Gefühl Geleit schenke, so entbinde ich mich jenen Schichten, die mich über Jahre, unter dem Vorwand mich zu schützen, verdeckten. Die Fäden lösen sich aus jenem Garn, der mich in Normen verwickelte, in Erwartungen und Haltungen und fremden Moralen. In diesem Vakuum zieht eine Stimme in einer ungeheuren Reinheit Frieden herbei bis ich mich diesem Gefühl ganz hinzugeben vermag.
Tiefer, tiefer, immer tiefer. Der Fall. Oder das ewige Halten und nicht loslassen können. Angst vor dem, was da kommen mag. Hier trennt sich der Schatten vom Licht. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. … Oh. Ein Hauch. Langsam darauf zu oder davon weg. Langsam wird es dunkel, die Wände reissen sich gegenseitig immer fort, wohin ich schaue Türen und Tore, Gitter und Fallen, kopfüber, seltsam verkehrt. Alle Wege sind plötzlich Irrwege. Die Schrift verschwimmt, der Atem rinnt, der Puls entweicht, die Haare legen sich Quer über die Haut, die Nägel verblassen, der Lippenduft wendet sich sanftmütig der Leere entgegen, und niemand und nichts ersetzen die eigene Lehre. Wie ich so Schritt um Schritt einen Gang durchstreife blicke ich zurück auf mein Leben und zähle jeden Finger in Andacht an jede Note, jedes Wort, jeden holden Muskel in An- und Entspannung, die gekrümmte Seite eines einzelnen Atemzugs, und streife ab was war. Und gehe weiter. In durchzogenen, farbigen, kaum sichtbaren Streifen bewegt sich der Moment vorwärts, oder scheint zu verharren als ich mich ihm nähere. Eine Abhandlung der Vergangenheit, die sich immer wieder an mich schmiegt, meinen Schritten ein Echo verleiht und mich in ihre Arme locken möchte. Ungeachtet dessen oder mit dem täuschenden Blick über die Schulter, oder dem hängebleibenden Gedankenspiel, schiebe ich den Fuss vorwärts. Die Gewichte haften. Ich krümme den Zeh, setze die Sohle, Rolle den Ballen, trete sachte auf, die Streifen an mir vorbeiziehen, das Vergangene insistiert, ich schüttle, es frostet mir, der Atem stockt. Ich ruhe. Ich, Ruhe. Im Sturm das Auge, ein leichtes, unscheinbares Nicken, akzeptieren, hingeben. Der Raum verschliesst sich und formt eine Kugel, die mich umgibt. Die Türen und Tore enden in der Einwirkung der Vergänglichkeit. So das runde Sein aus der Zeit verrückt als ich den Moment ergreife. Mein Bewusstsein schnappt zu, etwas dreht sich um mich herum, etwas bebt unter meinen Füssen, etwas Sauerstoff kratzt an meiner Lunge. Ich stehe fest im Moment und bin da. Und weiss das Fallen birgt Angst.
Ich bewege nicht Atem, ich rausche nicht Blut, ich zucke nicht im Muskelfundament. Das innere Erleben leitet. Ja, gleitet, in neuen Räumen und Gängen, auf einer anderen Ebene, vielleicht auf einer anderen Wahrheit. Die Gefühlsflut bricht an. Ich muss es erleben, zulassen. Loslassen.