Mondschichten

An diesem Heute herrscht der Vollmond. Und ich? Ich stehe darunter, fernab, schaue hinauf, den Kopf im Nacken und ein kalter Schauer fährt mir von den Fingerspitzen die Arme hoch. Ich schlucke und bemerke wie sich dieses Gefühl in mir ausbreitet, meine Schultern vibrieren leise und jeder Atemzug schüttelt mich. Hinter meiner Stirn löst sich ein scheinbar warmes Empfinden und eine seltsame Leichtigkeit entsteigt meinem Haupt. Ich kringle und plätschere innerlich und möchte mehr, mehr desselben. Meine Augenlider flimmern. Ich spüre einen Strom der mich ausdehnt und geschlossene, zarte Kreise, die sich um mich winden, endlose Schlaufen ziehen, und alles scheint sich zu drehen. Ich zittere still am ganzen Leibe.

Wenn ich loslasse verzieht sich mein Gesicht und demaskiert meine menschliche Gestalt. Gefühle jagen durch die unendlichen Dimensionen meines Erlebens und ein Sammelsurium derselben verwischt sämtliche Grenzen zwischen Freude und Trauer, Wut und Angst. Ich lache weinend eine Träne über meine gerümpfte Stirn, schreie Orkane ins Erwachen und ziehe mich zusammen, Säugling, kleines Wesen, weite Ferne; alles versagt, alles stockt, alles. Zurückbleibt die Gewissheit, dass Kontrolle eine Illusion ist und jene Auffassung, die im vollständigen Loslassen ein sanftes Entschlafen vermutet.

Ach, lieber Mond da oben: bist du frei? Warum umkreist du im vermeintlichen Gehorsam unsere Erde Tag für Tag? Du gibst dich diesen Begebenheiten hin, die unsere Ahnung, unser Wissen, ja uns Menschen übersteigen. Und ich? Ich stehe immer noch unter dir, fernab, schaue hinauf und fühle mich mit jedem Atemzug im Leben. Da schaudert es mich wieder. Und es bleibt mir nur die Einsicht, dass ich mich vor deiner Hingabe fürchte und mich in Widerstand fliehe. Und dennoch, ein leises „aber“ entgleitet meiner Seele und flüstert mir in wachsender Gewissheit Mut und Vertrauen zu…“lass es geschehen“.