Hier, goldener Engel, trage das Licht, das immer scheint. Grenzenlos, golden deine Flügel, deine Augen, geschlossen, die Hände gefaltet, kniend. Da, jenes Licht, dass mich und dich umfasst. Bist du Kind? Bist du Erwachsener? Bist du Mensch? Wenn alle Worte entfallen und ich die Grenzen meines Verstandes aufhebe bist du weder das eine noch das andere. Vielleicht bist du einfach. Und ich mit dir. Engel sein, Uhr sein, Tisch und Stuhl sein, du gleitest mir über fremde Lippen und legst Staub in die weiten Winkel dieser Welt. Da diese seltsamen Kreise auf meinen Fingern, dort die verworrene Haut; fortan entdecke ich dich überall. Ich kann dich nur aus meiner Begrenztheit benennen, also höre ich damit auf.
Hach – Leben. Wer oder was bist du? Ich habe so viele Fragen an Dich, doch glaube ich, dass die Wichtigsten unbeantwortet bleiben werden. Das ist ok. Du, Leben, glaube ich bist viel mehr, für den Menschen nicht greifbar, nicht in Gedanken und nicht in Worten. Vielleicht jedoch im Erleben und in Erfahrungen, in Gefühlen. Dann ist die Freiheit unendlich und wir sind darin verbunden. Wie kann ich das nicht wissen, wenn eine innere Berührung Ja dazu sagt? Whitman fragte einst: „was ist mehr oder weniger als eine Berührung?“. Ich möchte mich Dir ganz hingeben; leben.
Aus meinem Inneren steigen Gefühle auf, die ich wahrnehme. Immer sind sie schon da, und wenn die Wolken weichen, erkenne ich die Sonne in ihrem Ganzen. Meine Tränen verlassen den Äther und verabschieden sich von Trauer und Freude. Da ist viel mehr und es ist tiefer, tiefer als je zuvor. Ich gebe mich hin. Nichts ist mehr oder weniger real als du, goldener Engel. Ich fühle Dankbarkeit und Demut in diesem unbegreiflichen Nichts. Ich liebe Dich, Engel, Tisch und Stuhl, aber noch mehr durste ich nach eurer vereinten Quelle des Lebens.