Unravel

Soft the rockets fall, breezing through the limits of the mind, silently marking their target as I extend my hand to catch a single leaf dangling on an invisible string. One strand at each corner, fixed to a sole muscle across the forlorn landscape’s yielding outline. The universe awakes, stretches beyond: thriving, expanding, gently pulling on tucked away roots. A flinch in time and the threads around the curved valleys tighten to expose a singular, blissful smile.

Silence

Ten steps east, one north.

What is there to write, when there’s nothing left?

Just an ordinary ticking, just a point of reference on a hidden map somewhere amidst the universe. Came and went altogether. No gain, no loss. Solely the rhythmic convulsions of muscles straining tendons, reaching higher, breaking through sweet skin, up, up, blue bottoms of oceans, translucent pearls in indigo coats, lighter in gait and blush, vertical transcendence, a boxer in the ring standing still, beams from above shattering the surface; in time-lapse coming up for air.

Penetrate truth, divide all, a sword arrested in mid-air – the same substance in every direction, always silence.

gegenwärtig

Jeden Tag werde ich neugeboren und das Universum empfängt mich mit offenen Armen – hallo Welt, ich kann es nur immer und immer wieder rufen, fühlen, verinnerlichen. Vielleicht, jedoch, gehört das Rufen dem Leben, und dieses unbedeutende kleine ich darf folgen und sein. Ich kann mir keine andere Welt vorstellen als jene, die mich in meinem Wesen vollkommen ergreift und meine jede Zelle durchstreift. Wenn ich der vorbeiziehenden Landschaft mit meinem Blick anhafte, begegnet mir die Unendlichkeit in gleicher Weise, wie wenn ich dem scheinbar Kleinsten vor die Füsse trete. Ich staune so wie ein Säugling, der, diesem einzigartigen Leben ausgesetzt, sich in zärtlicher Berührung selbst entdeckt. Wo ist mein Anfang, wo mein Ende? Wo diese umklammernde Nähe zwischen zwei Menschen, die Grenzen verschmelzen lässt? Wessen ist dann die Berührung, mein oder dein? In selbem Erstaunen wächst in mir die Gewissheit, dass auch die Berge und Täler, der entwurzelte Baum, da ein Pilz und dort ein farbiges Blatt, alle, mich in jedem Augenblick zum ersten Mal sehen. Sodann sind wir,  ich und du, unzertrennbar, weil wir beide zugleich die Entdecker und die Entdeckten sind.

All letters

All letters on my keyboard, all letters seeping through the tip of my tongue, all letters randomly forming into words like endless streams of thought. Letters boldly folding the miracles in and around us into repetitive patterns, echoing our limited human presentations in language that we use to classify, to order, to possess. This language strikes me as foreign to the heart. Does the heart want to possess or be possessed?

Sometimes, little heart, I feel I can savor every one of your beats. But often I revel in an outer world, turning and turning in circles of nothingness, blinded by illusions, deluding my very senses. I find myself so far, and though you continue your incessant, knocking thesis of life, sometimes we seemingly grow faint in our affection for one another.

Oh, my dear heart, don’t let us become strangers to ourselves. If we at our cores become polluted by all things around us that perish in meaning and significance, then who are we? I wonder, you, soft-spoken treasure, granted to us as a gift, not fixed on any condition, not stuck in the hollow maze of shiny tokens and riches – I wonder: does your stillness entice us into your depths, so that we may interlace our purposes anew? I have little doubt that they are in their essence the same.

So here I stand and weep for I recognize you as the forgotten soul of the universe, adjoining every one of us. In stillness I count your vibrations in the big and the small, devouring the crest of each of your waves, motions so pure, in the cusp of my hand, each length of life running across a finger. I cannot bring to a halt your surge. All I can contribute is to be here entirely. To be; as in these same folds language then becomes obsolete, and we, at once, unified witnesses and participants in this miracle.

Leben

Hier, goldener Engel, trage das Licht, das immer scheint. Grenzenlos, golden deine Flügel, deine Augen, geschlossen, die Hände gefaltet, kniend. Da, jenes Licht, dass mich und dich umfasst. Bist du Kind? Bist du Erwachsener? Bist du Mensch? Wenn alle Worte entfallen und ich die Grenzen meines Verstandes aufhebe bist du weder das eine noch das andere. Vielleicht bist du einfach. Und ich mit dir. Engel sein, Uhr sein, Tisch und Stuhl sein, du gleitest mir über fremde Lippen und legst Staub in die weiten Winkel dieser Welt. Da diese seltsamen Kreise auf meinen Fingern, dort die verworrene Haut; fortan entdecke ich dich überall. Ich kann dich nur aus meiner Begrenztheit benennen, also höre ich damit auf.

Hach – Leben. Wer oder was bist du? Ich habe so viele Fragen an Dich, doch glaube ich, dass die Wichtigsten unbeantwortet bleiben werden. Das ist ok. Du, Leben, glaube ich bist viel mehr, für den Menschen nicht greifbar, nicht in Gedanken und nicht in Worten. Vielleicht jedoch im Erleben und in Erfahrungen, in Gefühlen. Dann ist die Freiheit unendlich und wir sind darin verbunden. Wie kann ich das nicht wissen, wenn eine innere Berührung Ja dazu sagt? Whitman fragte einst: „was ist mehr oder weniger als eine Berührung?“. Ich möchte mich Dir ganz hingeben; leben.

Aus meinem Inneren steigen Gefühle auf, die ich wahrnehme. Immer sind sie schon da, und wenn die Wolken weichen, erkenne ich die Sonne in ihrem Ganzen. Meine Tränen verlassen den Äther und verabschieden sich von Trauer und Freude. Da ist viel mehr und es ist tiefer, tiefer als je zuvor. Ich gebe mich hin. Nichts ist mehr oder weniger real als du, goldener Engel. Ich fühle Dankbarkeit und Demut in diesem unbegreiflichen Nichts. Ich liebe Dich, Engel, Tisch und Stuhl, aber noch mehr durste ich nach eurer vereinten Quelle des Lebens.

 

Hinaus

Eines Tages muss ich gehen, hinausgehen, weggehen, mich verneigen und verabschieden. Mit beiden Beinen aus dem Karussell aussteigen und nur aus der Ferne wahrnehmen, wie es sich immer und immer wieder um die eigene Achse dreht, zurücklassen jene Formen und Figuren, die ich so gut kenne, die meinen Alltag prägen und bestimmen, in heiteren Farben und Klängen. Bis heute weiss ich weder die Regel noch das Ziel, ich glaube nur die Endgültigkeit zu ahnen, dass es zu Ende gehen wird. Was, zwischen Jetzt und Danach ist meine Aufgabe? Ist es ein Rätsel? Oder sind es Weltmeere, die sachte ineinander hineinschaukeln, Wogen wecken und sich über den Erdball erstrecken bis ich sie alle entdecke?

Vielleicht ist es ein schauriges Spiel und ein bezauberndes zugleich. Und vielleicht liegt die Aufgabe darin die Regeln aufzudecken und sich der scheinbaren Willkür hinzugeben. Vielleicht geht es darum anzunehmen, dass weder Anfang noch Ende mitbestimmt werden können. Alleweil scheint es mir mysteriös, tief beängstigend und dennoch irgendwie blendend. Ich kann nicht einmal in die Wagnis hineinraten, warum ich gerade in dieser Konstellation, mit diesen Attributen, diesen Menschen und zu dieser Zeit mitspielen darf oder muss. Vielleicht, oder gerade darum, unter diesen Gegebenheiten, möchte ich aussteigen.

Hinaus; mich getrauen. Von scheinbarer Sicherheit nach und nach Abstand gewinnen. Nicht der Sicherheit zum Trotz, sondern im Bewusstsein, dass sie trügerisch ist, uns bloss bis ans Ende geleitet, was ohnehin unvermeidbar ist. Eine Sicherheit, die vielleicht unsere Gefühle zu schonen versucht, dass sie nicht überschwappen, dass die Musik uns weiter heiter im Kreise dreht. Ich mache eine Bewegung hin zu all dem, was noch sein darf. Plötzlich stehe ich zwischen den Noten, die tanzen, mein Haar zerzausen, und streichle die Pferde Ade, küsse die harten Mähnen in Verbundenheit, denn ich ahne, auch wenn ich retourniere kreisen sie noch, auch wenn ich aus der Ferne schaue, auch wenn ich meine Augen schliesse, ja sogar, wenn ich nicht mehr bin. Schritt um Schritt entgegen dem Lauf, dann der Sprung, eine weiche Landung, etwas verloren, plötzlich draussen.

Was empfängt mich nun?

(Ich schmunzle ganz verborgen über mich selbst und über dieses Abbild. Ich erkenne Tage und Jahre, die ich bereits auf dem Karussell mitreite. Ich erkenne, dass sich selbst mein Körper, meine Gefühle und meine Denkweise auf dieses Kreisen abgestimmt haben. Ich erkenne, dass scheinbar so, so viel dafür spricht weiter zu drehen, immer fort, dann ist der Mensch sicher. Ich erkenne (noch nicht) alles und jeden, dass mich zurückhält. Weil wir alle die gleiche Angst pflegen.)

Also ist es vielleicht gar nicht meine Wahl, ob ich bleibe oder gehe.

Vorhänge

Davon weggehen, dass kenne ich. Da schmunzle ich gar etwas verstollen. Ich habe gelernt und erkannt, dass ich als erstes in Gedanken auf Distanz gehe. Ich habe entdeckt, dass ich meine Gedanken nutze, um die Stille zu füllen, um mich auszutricksen, damit ich mich nicht hingeben muss, um der Angst auszuweichen. Wenn der Gesang durch meinen Kopf eifert, dann im Dienste des Vermeidens. So auch die Gedanken, die so gerne schützen vor dem vermeintlich Schlimmen. Daraus resultiert ein sonderbares Schauspiel, und ich bin mittendrin. Bisweilen kann ich kaum unterscheiden, ob ich nun der Regisseur bin, der Hauptdarsteller oder eine Nebenattraktion. Aber es ist immer der gleiche Ablauf: die Sensoren meinen eine Angst zu erkennen, blitzschnell aktivieren sie den Alarm, dieser fährt seine ganzen Geschütze auf und verbarrikadiert sich gegen den Feind. Sie erkennen im Feind bereits einen solchen, abtrünnigen noch ehe er sich selbst als solchen identifiziert. Eigentlich sind die Gedanken Ursprung der Ängste.

So sitze ich dem Jungen gegenüber und erzähle ihm vom Ritter und vom Schloss und vom Drachen. Er findet Ruhe auf der roten Couch, lauscht, versetzt sich in den Rausch der Geschichte, sieht fortan die Rüstung um den Helden gewoben, das Schwert in dessen Hand, die Zuversicht im Kopf, nach dem Schatz strebend, verborgen hinter dicken Mauern, ahnt Reichtum, ahnt Besitz und einen Hauch Angst. Denn zwischen Schwertspitze und Schatz lungert das Monster mit feurigem Atem, haust alles, was er immer versteckt, tief in seinem Inneren, vergraben nicht was war, sondern was sein könnte. Alle fanatisch angerichteten Schablonen einer Welt, die aus der Wurzel der Angst Bestand finden. Hier die Mauern, die er selbst errichtet hat. Hier die sagenumwobene Pforte, so schwer und undurchdringlich, die Grauen verspricht. Hier die Zinken hinter welchen sich das Entsetzen verschanzt. Und tief verborgen im Verliess, hinter Drachen, Mauern, Pforte und Zinken, hinter Irrwegen, die nur darauf abzielen möglichst weit, weit weg zu entrinnen, hinter Zweifeln und törichten, inneren Bildern der schwarze Vorhang, der in Starre sich windet, mit ihm alle Hoffnung auf einmal verschwindet.

Bis die Wahrheit zu Lichte getragen, der Ritter erfährt, dass er sich nicht auflösen kann, durch den Vorhang hindurchprescht und sich dem Schmerz fügt, sein Schwert niederlegt, sein Herz in Händen trägt, mühevoll, nicht in Kraft, jedoch im Loslassen, die Angst sachte begräbt.

(Einfach geschrieben, schwieriger durchlebt…Vermeidung trägt so viele Gewänder)

was ich noch sagen wollte

Nicht viel. Nicht wenig. Was gibt es noch zu sagen? Manche gehen durch das ihre Leben ohne sich dessen bewusst zu sein. Manche haben Glück. Manche stehen am Ufer, sehen im See ein Meer, sehen wie sich das gekrümmte, gegenüberliegende Ufer zu scheinbaren Inseln formt. Die Sturmlichter derweil entgegen dem aufbrausenden Wind im Takt vor sich her blinken. Äussere Unruhe, innere Klarheit. Äussere Ruhe, innere Vernebelung. Was wohl die anderen denken?

Loslassen – der Sprung ins Wasser. Die Strassen sich verengen, zu Furchen werden, die Häuser trennen, so klein nun die Menschen, die zurückbleiben, es wird stiller, still. Und, wie er einst erzählte, stets geradeaus schwamm, der Boden unter seinen Füssen wich und ihm die Angst über die Haut fuhr, ihn streichelte. Doch er liess von ihr ab, glitt weiter über die geschlossenen Tropfen des Meeres. Immer zu, selig im Vertrauen, dass er ja schwimmen kann! Das die Tiefen sein mögen, doch fütterte er diese Gedanken nicht, liess die Tiefe Tiefe sein und schwamm weiter. Ho, du lieber, vertrauender Schwimmer!

Ich löse mich: los; auf; allmählich. Die Gewissheit, dass es in jedem Leben möglich ist.

Weg und Beginn

Der Schweiss, diese drückende Wärme von Innen, die Ellen hoch bis in die einzelnen Fingerspitzen. Klebrige Unterarme, und ein zarter Atem, der Momente verrückt. Der altbekannte, wiederkehrende Schauder, obschon es nicht friert, obschon. Grundlos. Sinn.

Was ist das für ein Leben? Ein Kind fragte einst: „warum gibt es Menschen?“. Wir beide wissen es nicht. Nicht die Nacht noch der Tag, blau im Sturm, der über die Bergwipfel fegt, dort ein Regenschauer, da ein Blitz, weit, weit die Sonne verbrannt. Was das Gelebte, was das Ungelebte? Ein Donner raunt über die dünne Schale, die mich umgibt. Was Täuschung, Fehlleitung, vorbei, ich sehe verschwommen die roten Blenden, ziehen um die Kurve, verblassen. Welchen Kurven ich wohl ausgesetzt war, sie mir aufsetzte wie Leitplanken, weil ich scheinbar nicht anders konnte, wusste?

Schuld zerfliesst; Verantwortung in den Riemen, die über meinen Rücken fahren. Mut Verantwortung zu leben. Mut zu leben. Mut, etwas Bisheriges umzustülpen, verkehrt zu tragen, zuzugehen, den Blitz zu fühlen, wie er den Raum durchtrennt, die blinden Äste in schweigender Nähe an die Handinnenfläche schmiegen lassen, und mit jedem weiteren Schritt den rotgefärbten Himmel in tausend Sequenzen, wie ein stetiges Blinzeln angesichts der Wirklichkeit, empfinden.

Die Sicherheit und Kontrolle, und jüngst die Mutter, die jene Angst erkannte und im Dialog die Flucht ergriff, in Gedanken, Impulsen, tausendfach gelebt. Ja, ich kenne sie. Lasse mich irreführen, führe mich irre, da ist es wieder verrückt. Und alles um jenes eine zu vermeiden: die Angst nicht mehr zu sein. Einmal mehr, mein Rot, zuoberst im Ampelschein, rundum Verbote, doch lieber Vorboten, lieber Wegweiser und Fremdenführer durch die Gefühle hindurch – „Leere, Liebe, Bewusstsein“. Mein Antrieb streicht mir liebevoll über meine Haare und flüstert in mein Ohr, Worte, die nur ich verstehen kann, lässt Fingerkuppen Haut berühren, die nur ich spüren kann, und lässt Verbundenheit in Licht und Schatten gewahr sein, wie nur ich es fühlen kann. Verbunden mit. Hallo.

Fern aller Erde, Baum, Mensch

Das allein Sein auf einem Planeten, fernab von Heim und Frau und Kind. Ich kann es weder sprechen, noch flüstern, schreien oder beten, weder schreiben noch singen. Ja, Schreie ausstossen möchte ich, meterhohe Gefühle malen, Orkane herbeispüren, das Rauschen bändigen und die Stille ausfüllen, weil ich es nicht halten, nicht aushalten kann.

Innerlich diese abgrundtiefe Angst, Gefangenschaft, ertrinken. Was wenn es keine Worte gibt, keine fassbaren Stricke, keinen menschlichen Ausdruck dieses überwältigenden Erlebens?

Wo anfangen? Wo kein Ende in Sicht. Die Rundungen, getrieben, sich jagend und streckend bis der Horizont sie verschluckt. Links, wie rechts, derselbe graue, staubige Teppich. Mein Blick, nach vorne gerichtet, leicht gesenkt, nur die Augen sich bewegen, die Lider ungeachtet loszulassen scheinen.  Es atmet durch mich, es pulsiert in mir, irgendwo in der Ferne die fallende Herzfrequenz, und tief in meinem Inneren, beherbergt und doch ungehalten, ein Gefühl.

Keine anderen. Ich, in der Weite der Ferne. In der Weite der Fremde. Der Weite ausgeliefert. So als ob weder Zeit noch Raum, noch die Essenz existieren würden. Wenn ich mich auf allen Kanälen vollends verschliesse bleibt mir die Illusion eines flüchtigen Moments erhalten. In dieser einsamen Sekunde kann ich mich aus den erstarrten Flocken heraustanzen, meinen Körper ausdehnen und jede einzelne Himmelsfaser ungedacht und unbegrenzt in mir empfangen. Die Unendlichkeit bestaunen, die sich mir anschmiegt und mich ohne Argwohn verbindet. Dem zarten Kristall lauschen, wie er fallen könnte, und dieser täuschenden Zeit gerecht werden. Gedankenspiele.  Ein schweres, langgezogenes „Ach“. Der gedrosselte Atemstoss, der nicht vernehmbare Klang und immer noch der endlose Kosmos, sich krümmend, falzend und wölbend.

Das ungehorsame Schweigen das hier und jetzt zerbricht, wenn ich meinen Mund öffne und doch keine Laute spreche. Und wie sie gefallen sind, wie die Verprassten, und ich nur diesem Gefühl Geleit schenke, so entbinde ich mich jenen Schichten, die mich über Jahre, unter dem Vorwand mich zu schützen, verdeckten. Die Fäden lösen sich aus jenem Garn, der mich in Normen verwickelte, in Erwartungen und Haltungen und fremden Moralen. In diesem Vakuum zieht eine Stimme in einer ungeheuren Reinheit Frieden herbei bis ich mich diesem Gefühl ganz hinzugeben vermag.

Tiefer, tiefer, immer tiefer. Der Fall. Oder das ewige Halten und nicht loslassen können. Angst vor dem, was da kommen mag. Hier trennt sich der Schatten vom Licht. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. Bleiben oder gehen. … Oh. Ein Hauch. Langsam darauf zu oder davon weg. Langsam wird es dunkel, die Wände reissen sich gegenseitig immer fort, wohin ich schaue Türen und Tore, Gitter und Fallen, kopfüber, seltsam verkehrt. Alle Wege sind plötzlich Irrwege. Die Schrift verschwimmt, der Atem rinnt, der Puls entweicht, die Haare legen sich Quer über die Haut, die Nägel verblassen, der Lippenduft wendet sich sanftmütig der Leere entgegen, und niemand und nichts ersetzen die eigene Lehre. Wie ich so Schritt um Schritt einen Gang durchstreife blicke ich zurück auf mein Leben und zähle jeden Finger in Andacht an jede Note, jedes Wort, jeden holden Muskel in An- und Entspannung, die gekrümmte Seite eines einzelnen Atemzugs, und streife ab was war. Und gehe weiter. In durchzogenen, farbigen, kaum sichtbaren Streifen bewegt sich der Moment vorwärts, oder scheint zu verharren als ich mich ihm nähere. Eine Abhandlung der Vergangenheit, die sich immer wieder an mich schmiegt, meinen Schritten ein Echo verleiht und mich in ihre Arme locken möchte. Ungeachtet dessen oder mit dem täuschenden Blick über die Schulter, oder dem hängebleibenden Gedankenspiel, schiebe ich den Fuss vorwärts. Die Gewichte haften. Ich krümme den Zeh, setze die Sohle, Rolle den Ballen, trete sachte auf, die Streifen an mir vorbeiziehen, das Vergangene insistiert, ich schüttle, es frostet mir, der Atem stockt. Ich ruhe. Ich, Ruhe. Im Sturm das Auge, ein leichtes, unscheinbares Nicken, akzeptieren, hingeben. Der Raum verschliesst sich und formt eine Kugel, die mich umgibt. Die Türen und Tore enden in der Einwirkung der Vergänglichkeit. So das runde Sein aus der Zeit verrückt als ich den Moment ergreife. Mein Bewusstsein schnappt zu, etwas dreht sich um mich herum, etwas bebt unter meinen Füssen, etwas Sauerstoff kratzt an meiner Lunge. Ich stehe fest im Moment und bin da. Und weiss das Fallen birgt Angst.

Ich bewege nicht Atem, ich rausche nicht Blut, ich zucke nicht im Muskelfundament. Das innere Erleben leitet. Ja, gleitet, in neuen Räumen und Gängen, auf einer anderen Ebene, vielleicht auf einer anderen Wahrheit. Die Gefühlsflut bricht an. Ich muss es erleben, zulassen. Loslassen.

Weil sich immer alles weiterentwickelt