Atem

Eines Tages darf dieser Körper vergehen und mit ihm all seine Geschichten, die sich über die Jahre kumuliert haben. Die Zeichnungen im ständigen Wandel, die Keramik des Lebens, allem ausgeliefert, immerzu zerbrechlich und zugleich in jeder Ausprägung vollkommen. Wunder – unergründlich – in dieser einen Sekunde, diesem Schnitt durch das gesamte Universum: ein Atemzug. Wer ist es, der erlebt? Unendlich tiefer als die anatomische Mechanik des Körpers. In Abwesenheit eines Herrn, ist da niemand, der etwas tut, nein…niemand. Was also hat Bestand? Aus dem Gewebe der Worte heraus, jenseits des Grates, der unseren Verstand einschliesst und begrenzt, bleibt letztendlich, vielleicht, nur die Wahl: Festhalten oder Loslassen.

Blindes Loslassen, wenn nichts beständig ist, die Arme sich in einer geschmeidigen Bewegung ausstrecken, widerstandslos, gleitend, die ausgedachten Mauern auseinanderbrechen, ein Korridor sich öffnet und alles stillsteht. Kein Anfang und kein Ende. Als würde der Körper sich selbst mit Leichtigkeit dem Unbekannten entgegensenden – schwerelos – das ganze Wesen umgebend. Es wäre in Ordnung zu gehen. Gehalten und umsorgt, gehüllt in der blanken Liebe, vom Körper entbunden unter Wasser atmend.

Auf, auf Körper, beuge dich und die Seele blinzelt dir zu. Loslassen bedeutet vertrauen.