Archiv der Kategorie: Gedankenmuster

GtotOmat

Ich kann nicht leugnen, dass ich gedenke und noch immer auf eine Antwort warte. Gleichwohl ist sie für mein Leben nicht relevant, sondern für das ihre, für ihren Glauben, für ihr Erinnern, für ihre Sinnhaftigkeit. Sie befindet sich im gefüllten Trog mit ihresgleichen. Jene die sich an Antworten klammern oder jene, die sie abstossen. Ich lese aus ihren Worten Enttäuschung, Trauer, Wut.

Ich fahre mit meinem Finger dem Spektrum hoch und runter, in inneren Bildern lenke ich mein Bewusstsein auf diese verschiedenen Lebenspfade und -einstellungen. Da begegnet sie mir wieder, in anderer Gestalt, umhüllt von Heiterkeit und Zuversicht. Ich erahne Glaube und die prägenden Erfahrungen, die heute helfen Wege für andere Menschen zu festigen und erleuchten. Ich sehe Gegebenheiten und den Menschen in deren Bann und staune – wie ich diese Eigenschaft lieb hab. Und wie ich sie beide in einer anderen Herzkammer entdecke und lieb hab, so wenn sie den Schmerz vermeiden und im dunklen Humor vergraben, Energien bündeln und das Netz beleben und instruieren, um einem anderen Halt zu geben. In der eigens dafür eingerichteten Ecke ruht der Junge, auf dem Spielplatz fühlt er sich sicher, an der Wandtafel weiss ich den Morgengruss zu erhaschen, so gütig und reich an inneren Weiten, die Tränen und Lacher sein dürfen.

Jedes Universum entdecke ich jeden Tag, wenn ich meine Augen und Ohren öffne. Inmitten diesen Welten stehe ich still und verbinde mich. Ich vernehme eine Vibration, die mich jeden Ring sein lässt, von der Wurzel bis zum Blatt. Da stehen wir nun beide im Strassenlicht. Und wenn ich dich berühre, was empfindest du? Und wenn ich mich bewege, wo sind deine Gedanken? Ich danke ihrer Ehrlichkeit und ihrer Offenheit, ihrer Unsicherheit und ihren gestreuten Farben, ich danke dir oh Mensch und Baum, so ähnlich, so gleich sind wir.

Die Saiten sind meine Mitwisser, die Strahlen meine Komplizen, die Sehnsucht mein Anhänger, der letzte Atemzug mein Freund, die Zuversicht und die Liebe meine Verbündeten. Alles ist.

Un

Unreflektiert, schnell, aus dem Ärmelkanal geschüttelt, aus der Lunge gehustet, aus den Ohren geatmet, völlig unbesinnlich und weit von mir entfernt. Oder doch nicht? In einer Rage oder ausserhalb eines Zaunes? Oder sagt man Gitter? Vielleicht könnte man die Fernseher hinter Gitter verbannen. Ich wäre dafür. Oder die Erfindung rückgängig machen. Was hätten wir zu verlieren? Nervige Werbungen oder opulente Selbstdarstellungen? Die Vereinsamung in den eigenen vier Wänden? Vielleicht werfen wir das Internet auch gleich in dieselbe Tonne, oder die Mobiltelefone, oder beides, oder sind es die Selbstdisziplin, die Selbstliebe, das Selbstverständnis, dass das „Leben offline ist“ – danke René – die fehlen? Ich weiss es nicht, heute nicht, morgen nicht, oder vielleicht doch? Ich zucke mit der Schulter, wie der Kleine: „ich weiss es nicht“. Schwachsinn, klar weiss er es, er möchte es sich nur nicht selbst eingestehen. Vielleicht ist er noch nicht bereit dazu, vermutlich kennen wir dies alle auch. Pech gehabt. Gehe ich eben schlafen, in Frieden ruhen; einfach, jetzt wo meine Gedanken und Gefühle der Leichtigkeit Spalier stehen.

Wieder einmal in das Unbedeutsame verfallen – who cares? Draussen scheint die Sonne und ich lasse mich von ihr blenden – what more do I want? What more can I ask for?

Lustig, jetzt tanzen sie wieder und ich lasse los, endlich.

Perspektive

Ich, auf der Bühne, ihr dort unten. Ich proklamiere: „ich bin Polarität“. In der Südkurve lächelt die Sonne und alles ist verkehrt und nichts ist verkehrt, auch nicht als das Abendlicht im Osten der Dunkelheit weicht. Auf leisen Sohlen ist meine Verkörperung Riese, meine Trägheit verkannte Gelassenheit, meine Grösse Ausblick, meine Härte Schutz und mein Abstand zur Erde gleichwohl Distanz und Nähe. Auf meinen pfannengrossen Händen trage ich jene inneren Welten nach aussen, die in ihrem Bestreben das Leben in sämtlichen Mustern und Vibrationen zu leben und zu erfahren, zerbrechlich sind. Jene hinnehmenden Pratzen, die ihr seht, sind in einer anderen Wirklichkeit samtige Kissen. Sie sind die Erbringer dieser Gefühle des Erlebens in Form einer vollendeten Glaskugel, so klein im Kontrast zu meinem Umriss, so zart, verblassend, täuschend, wenn ihr Seelenleben doch weit herausragt und berührt. Mit grösster Vorsicht – im Bewusstsein diesen Schatz zu behüten – enthülle ich sie vor dem Universum und staune über ihr Strahlen in alle Weiten, in alle Ecken, in alle Herzen. Ihr fragt euch, und mich, und hinaus in den uneingeschränkten Raum, was sich in ihrer Fülle verbirgt und ich antworte nur jenen Bruchteil, den ich zu Wissen vermute (weil ich weiss, dass ich nichts weiss, aber vertraue, dass es so gut ist):

„Hierin trage ich die Unschuld und die Güte jedes Menschen und jedes Tieres, jeder Pflanze, jeder Zelle, jedes Atemzugs und jeder noch so kleinen Schwingung, die Ton ist, die Farbe ist, die lacht und singt, weint und brüllt, die Fingernagel ist, und ein Seufzer und ein Kratzer auf der Oberfläche des Herzens; das konstante Ineinanderleben aller und jedem, das absolute Geflecht des Gesamten. Und ich darf es tragen. Ich, der Riese. Der Bote, der Stein, das sterbliche Gehäuse einer höheren Kraft.“