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Un

Unreflektiert, schnell, aus dem Ärmelkanal geschüttelt, aus der Lunge gehustet, aus den Ohren geatmet, völlig unbesinnlich und weit von mir entfernt. Oder doch nicht? In einer Rage oder ausserhalb eines Zaunes? Oder sagt man Gitter? Vielleicht könnte man die Fernseher hinter Gitter verbannen. Ich wäre dafür. Oder die Erfindung rückgängig machen. Was hätten wir zu verlieren? Nervige Werbungen oder opulente Selbstdarstellungen? Die Vereinsamung in den eigenen vier Wänden? Vielleicht werfen wir das Internet auch gleich in dieselbe Tonne, oder die Mobiltelefone, oder beides, oder sind es die Selbstdisziplin, die Selbstliebe, das Selbstverständnis, dass das „Leben offline ist“ – danke René – die fehlen? Ich weiss es nicht, heute nicht, morgen nicht, oder vielleicht doch? Ich zucke mit der Schulter, wie der Kleine: „ich weiss es nicht“. Schwachsinn, klar weiss er es, er möchte es sich nur nicht selbst eingestehen. Vielleicht ist er noch nicht bereit dazu, vermutlich kennen wir dies alle auch. Pech gehabt. Gehe ich eben schlafen, in Frieden ruhen; einfach, jetzt wo meine Gedanken und Gefühle der Leichtigkeit Spalier stehen.

Wieder einmal in das Unbedeutsame verfallen – who cares? Draussen scheint die Sonne und ich lasse mich von ihr blenden – what more do I want? What more can I ask for?

Lustig, jetzt tanzen sie wieder und ich lasse los, endlich.

Perspektive

Ich, auf der Bühne, ihr dort unten. Ich proklamiere: „ich bin Polarität“. In der Südkurve lächelt die Sonne und alles ist verkehrt und nichts ist verkehrt, auch nicht als das Abendlicht im Osten der Dunkelheit weicht. Auf leisen Sohlen ist meine Verkörperung Riese, meine Trägheit verkannte Gelassenheit, meine Grösse Ausblick, meine Härte Schutz und mein Abstand zur Erde gleichwohl Distanz und Nähe. Auf meinen pfannengrossen Händen trage ich jene inneren Welten nach aussen, die in ihrem Bestreben das Leben in sämtlichen Mustern und Vibrationen zu leben und zu erfahren, zerbrechlich sind. Jene hinnehmenden Pratzen, die ihr seht, sind in einer anderen Wirklichkeit samtige Kissen. Sie sind die Erbringer dieser Gefühle des Erlebens in Form einer vollendeten Glaskugel, so klein im Kontrast zu meinem Umriss, so zart, verblassend, täuschend, wenn ihr Seelenleben doch weit herausragt und berührt. Mit grösster Vorsicht – im Bewusstsein diesen Schatz zu behüten – enthülle ich sie vor dem Universum und staune über ihr Strahlen in alle Weiten, in alle Ecken, in alle Herzen. Ihr fragt euch, und mich, und hinaus in den uneingeschränkten Raum, was sich in ihrer Fülle verbirgt und ich antworte nur jenen Bruchteil, den ich zu Wissen vermute (weil ich weiss, dass ich nichts weiss, aber vertraue, dass es so gut ist):

„Hierin trage ich die Unschuld und die Güte jedes Menschen und jedes Tieres, jeder Pflanze, jeder Zelle, jedes Atemzugs und jeder noch so kleinen Schwingung, die Ton ist, die Farbe ist, die lacht und singt, weint und brüllt, die Fingernagel ist, und ein Seufzer und ein Kratzer auf der Oberfläche des Herzens; das konstante Ineinanderleben aller und jedem, das absolute Geflecht des Gesamten. Und ich darf es tragen. Ich, der Riese. Der Bote, der Stein, das sterbliche Gehäuse einer höheren Kraft.“

Erlösung

Ich.

Auf dieser einen Welt bin ich zu Hause. Sie ist mein daheim. Hier sind mein Bruder Baum und meine Schwester Mond. Ich halte sie in meinen Armen und spüre ihren Puls. Und auf einmal fallen die Sterne vom Himmel und ich weiss es ist wahr. Am Strassenrand entdecke ich den Fuchs. Einen Moment kreuzen sich unsere Blicke und wir beide wissen. Ich begegne einem weiteren Fuchs und zwei Rehen, ein grosses und ein kleines. Obschon ich ihre Seelen nicht sehen kann, spüre ich sie. Wir sind. Wir horchen auf als die Himmelskörper sich plötzlich ihren dauerhaften Bildern  entledigen.

Die Schilder und Lichter, die Planken und Streifen, die Geräusche und Farben ziehen an mir vorbei wie eine gewobene Kulisse. Ich schwitze am ganzen Körper, doch verweise den Impuls mir über die Stirn zu wischen. So nahe bin ich. Ich brauche mich nicht zu bemühen, so fern sind für einmal meine Zweifel. Sachte fühlen meine Fingerspitzen der rauen Kleidung entlang, die meinen Bruder umhüllt und ich frage mich leise, was Bäume wohl träumen. Ich küsse die Erde und die Sonne während das Universum sich an mich schmiegt und ich die Endlichkeit annehme.

Ich bin widersinnig und möchte nicht anders sein, nicht Rolle oder Beruf, nicht Pflicht oder Busse, nicht Sünde oder Erwartung, einfach sein, weil ich die Gesamtheit als Kleinster aller Teile ergänze und mich damit begnüge. Hierin schöpfe ich Kraft, im Verbund des Unbeschreiblichen, wo ich Baum und Fuchs, Stern und Reh, schwarz und weiss, alles und nichts bin. Und wenn eines Tages sich Michener von der Welt und der Galaxie verabschiedet, so werde auch ich eines Tages auf diese Seelenbilder zurückblicken, die in meinem eingeschränkten Vorstellungsvermögen unsere irdische Existenz überdauern.

Wende

Die Ader. Das Innerste. Der Lauf und das Wachstum. Und der hohle Klang, witzlos und taub. Die imaginäre Schwere lastet wie Zement in derselben Ader und führt mich in Versuchung, mich dem Wahnsinn hinzugeben. Ein System der Angst: tausend Mal berühren, heimlich beten, den Schalter kippen, und kippen, und kippen. Woher diese Keile in unseren Lebensplänen wohl hervorgehen? Das selbst erwählte Leid im lichtlosen Schatten. Wie die Berge jenen vergilbten Postkarten ähneln und die Sehnsucht über längst Vergangenes streift. Oh warum diese Last? Die Weichen sind ohnedies gestellt.

Ich schneide den hasserfüllten Artikel entzwei. Ich schneide unbeholfen das Geschenkpapier in zu kleine und zu grosse Stücke. Ich schneide verheissungsvoll das Hosenbein in eine sommerliche Kürze. Ich schneide durch die lieblichen Tropfen, die sich zu fahlen Strichen ausweiten, wenn sie den Wolken entfliehen. Oder dem Boden. Oder diese Filmstreifen, die ich schneide und neu arrangiere und der Transformation mit Lust und Neugier begegne.

Feuertanz und Hochmut, Ehrfurcht und Verschmelzung, wenn alles still steht und ich mit meinen Sinnen die Flammenzungen streife, die Wärme in die Weite entgleitet und ich mit achtsamer Demut auf der Spitze, auf nackter Zehe, mich drehe, immer geschwinder bis wir uns einander hingeben wie das Licht dem Schatten, die Seerosen dem Morast, und das Leben dem Tod.

Ich lebe unter dem unbeschreiblichen Schirm einer Güte. Es ist alles was ich habe und alles das ich bin. Vielleicht ist es meine Aufgabe im Leicht zu leben, vielleicht.

Blickpunkt Vergessen

Das Vergessen messen, das Ausweichen vermessen, die Unlust im Abschied und hierin das Bewusstsein und die Dankbarkeit für Erinnerungen, auch wenn sie Vergangenes nicht wieder beleben können. Dieser eine Satz beinhaltet bereits die Vermeidung, das Umgehen der Tatsache, der Betrachtungsweise einer scheinbaren Realität worin vergessen nun wahrlich vermessen ist, denn es geht hier de facto um das Vermissen.

Vermissen. Typenunspezifisch. Diese innere Leere nach dem Heranwachsen und der Reife, der vollsten Blüte und der Vollkommenheit in Farbe, Duft und Empfindung. Ferner der durchdringende Klang, wenn jene Blüte spricht und die Wurzeln sich im Verborgenen recken, um heimlich diesem Schauspiel beizuwohnen. Hier der Keim der versteckte Welten in ihrer Pracht entblösst und dort auf den gezeichneten Venen des Flügelblattes die Verbindung zwischen Himmel und Erde mimt. In der Tat ein Vermissen des Paradies und weniger, zumal wir es auch hier kennen, in der Begegnung, in der Bindung, in der Beziehung und als Gefolge der Intensität und Erfüllung. Sodann das Abschminken und die verfärbten Tropfen in der Rinne der Zeit. Oh jenes Vermissen der blassen, feinen Haut, und des Lernenden, der Schnürsenkel verknotet und am Ende doch den Dreh raus hat. Und das sich vorantreibende Segel, den entlegenen Ufern sich entlang ziehend, wo Freundschaften in den Buchten des Lebens verweilen, unsere Liebsten die Himmelskörper über uns verzaubern und im Abschied das Vermissen lauert.

Ich mag es nicht. Ich mag diese Wahrheit nicht, diesen Schmerz nicht, dieses eine menschliche Attribut nicht, das innere Gräben öffnet und mit Schwere zuschüttet. Wohlweislich bin ich daran zu verstehen, zu akzeptieren – jetzt noch nicht, Geduld und ich sind wir uns treu.

Formel

Dieser eine Stich. Alles läuft nach Plan. Nur die Uhr ist ungenau. Tickt rückwärts, überspringt einen Tick, leidet an einem Tick und ist vielleicht gefangen im ewigen Kreis und ist vielleicht gerade im Selben frei, weil es daran festhalten kann und Bescheid weiss, was kommt, was kommen muss, was bei jeder Umdrehung lauert. Also bin ich Uhr? Mag ich Uhr? Kann ich Uhr mögen aber nicht Zeit? Uhrzeit. Dann lieber gleich Renaissance, das erneute Aufleben ganz entgegen der Zeit. Und vielleicht breche ich ein oder aus, wenn ich mich frage, ticke ich oder tickt es um mich herum?

Brücken

Brücken, Brücken, Brücken und dieses eine Fernweh, auf der Terrasse sitzend, in Gedanken versunken, irgendwo in der Distanz, in sanften Rottönen dahinfliessend, keine Wellen, kein Wind, dieser eine Moment, wenn alles still steht – den Anschein erweckt still zu stehen und die Gesamtheit menschlicher Attribute auf den nackten Asphalt niederprasselt. Hier die Leere, der kreidene Kreis, das zweidimensionale Gehirn. Und im Winkel die Schatten in tonlosem Einklang mit dem Lebenslauf.

Ich, das Grosshirn, ich auf der Linie balancierend, ich im Gedankenreich; üppig der Geschmack auf der Zunge, seiden der Duft in den Nasenknospen, ruhend die feinen Fasern auf der Haut und ich weiss nicht was nach links, was nach rechts dreht. Was ist wichtig?

Die Begrenzung ist mir bewusst. Ich kenne sie. Ich ignoriere sie. Ich schiebe sie beiseite. Ich tue so als ob sie nicht wäre. Sie drängt sich auf. Sie erinnert mich. Sie begleitet mich. Sie wallt ihre langen Finger dumpf entlang den kahlen Mauern und flüstert mir eben diese Leere zu, die mich im  scheinbaren Widerspruch befreit. Ich weiss den Wert  zu schätzen, der Begrenzung wegen. Ich koste eine einsilbige Süsse im Nektar der Vergänglichkeit.

Klein

Klein sind die Schritte und doch sind sie wahr. So viel zu schreiben, so viel zu sein in der scheinbar banalen Eroberung innerer und äusserer Welten.  Und just in dieser Hinsicht erlebe ich es als befreiend erste Zeilen in die Lebendigkeit zu rufen, Gedanken in den Fluss des Wortes zu packen und das frei flottierende etwas greifbarer werden zu lassen. Noch ist es nicht mehr, noch ist es nicht weniger. Ein Debut, seines, meines, und die Erkenntnis das unzähliges gerade jetzt passiert, in dieser Welt, in der anderen Welt, in tausend anderen Sphären eines ungreifbaren Lebens.