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Brücken

Brücken, Brücken, Brücken und dieses eine Fernweh, auf der Terrasse sitzend, in Gedanken versunken, irgendwo in der Distanz, in sanften Rottönen dahinfliessend, keine Wellen, kein Wind, dieser eine Moment, wenn alles still steht – den Anschein erweckt still zu stehen und die Gesamtheit menschlicher Attribute auf den nackten Asphalt niederprasselt. Hier die Leere, der kreidene Kreis, das zweidimensionale Gehirn. Und im Winkel die Schatten in tonlosem Einklang mit dem Lebenslauf.

Ich, das Grosshirn, ich auf der Linie balancierend, ich im Gedankenreich; üppig der Geschmack auf der Zunge, seiden der Duft in den Nasenknospen, ruhend die feinen Fasern auf der Haut und ich weiss nicht was nach links, was nach rechts dreht. Was ist wichtig?

Die Begrenzung ist mir bewusst. Ich kenne sie. Ich ignoriere sie. Ich schiebe sie beiseite. Ich tue so als ob sie nicht wäre. Sie drängt sich auf. Sie erinnert mich. Sie begleitet mich. Sie wallt ihre langen Finger dumpf entlang den kahlen Mauern und flüstert mir eben diese Leere zu, die mich im  scheinbaren Widerspruch befreit. Ich weiss den Wert  zu schätzen, der Begrenzung wegen. Ich koste eine einsilbige Süsse im Nektar der Vergänglichkeit.

Klein

Klein sind die Schritte und doch sind sie wahr. So viel zu schreiben, so viel zu sein in der scheinbar banalen Eroberung innerer und äusserer Welten.  Und just in dieser Hinsicht erlebe ich es als befreiend erste Zeilen in die Lebendigkeit zu rufen, Gedanken in den Fluss des Wortes zu packen und das frei flottierende etwas greifbarer werden zu lassen. Noch ist es nicht mehr, noch ist es nicht weniger. Ein Debut, seines, meines, und die Erkenntnis das unzähliges gerade jetzt passiert, in dieser Welt, in der anderen Welt, in tausend anderen Sphären eines ungreifbaren Lebens.

Halt

Einst war ich Kind, einst Teenager, später ein junger Mann. Und heute sitze ich hier, Christina singt „I’m only human“, und ich denke über das Menschsein nach. Was verbindet uns Menschen?

Ich stosse auf einen fest verankerten Gedanken: Wo es weiss weht, der Wind in Frieden erwacht und sich schlafen legt, unnahbare Polarlichter den Himmel zieren, der Friede selbst in vollkommenem Einklang schlummert, hier träume ich in die Ferne und bin doch ganz nah, ganz nah bei mir; bei dir. Weisst du, wenn ich mein Gewicht an die Welt abgebe und bedürfnislos bin, einfach nur bin, nur mit dir bin, dann könnte ich in Frieden sterben.

Die Gegenwart ist mein Zuhause: du erfüllst die nackten Räume mit Leben und lässt mich die wahren Werte erkennen. Ja, Lebensräume, Lebensträume, du Herzensmensch. Ich will ehrlich sein und die Vertiefung in meiner inneren Dreifaltigkeit offenbaren und ausmalen. Erkennst du jenes Muster? Auf dem gefrorenen See ruht deine Seele und auf meinen Händen trage ich deine Unschuld. Auf einmal bin ich ein Fels und ein Rascheln zieht durch die Äste. Aus dem Echo des Universums entnehme ich die Resonanz all jener Dinge, die sind. Und wie ich hier mit dir bin, rinnen kristallerne Tropfen durch mein Wesen und rufen jenes Urvertrauen hervor, das immer war, ja immer ist.

Genauso.

Für einmal zerfallen sämtliche physischen Grenzen zwischen zwei Menschen und ich fühle die Verschmelzung in der Annäherung unserer Herzrhythmen aneinander, der stille Atem nährt, das Loslassen des Körpers im Vertrauen, Saiten, die immer und immer wieder meine unsichtbare Melodie erzählen und unsere Seelen sanft streicheln.  Ich werde gebraucht. Ich wage in mir Sohn, Bruder, Vater, Grossvater zu erkennen, ja, Freund und Mann. Ich trage in mir das Leben mit all seinen Kapiteln. Und ich trage dich. Bedingungslos, auf allen Schichten des Menschseins.

Seltsam. Du bist weder schwer noch leicht, weder Gesicht noch Hand, Fuss, Rücken, Hals oder Brust, weder bist du Namen noch Geburtstag, du bist nicht Stimme noch Klang, noch glatte, raue, lernende Haut, du bist viel mehr. Ich ertappe mich zu denken, dass du die farbenfrohe Welt deiner Gedanken, Ideen und Fantasien bist, dass in dir der Abdruck sämtlicher Gefühle nach Spiegelung und Erscheinung lechzt und du Liebe, Vernunft, Ärger, Übermut, Eifersucht, Neid, Trauer und viele andere bist. Aber ich irre mich, du bist viel mehr. Und wie es mir dämmert, zerfliessen die Widerstände, ich nehme dieses Geschenk demütig entgegen, fallen die Mäste des Zweifels, und ich gehorche der universellen Sprache:

„Du bist überall und alles, im tauenden Schnee sehne ich dich, im Morgenlicht fährst du mir liebevoll über den Rücken, im tropfenden Himmel strecke ich mich zu dir empor, im raunen der Weltmeere staune ich in die offenen Tore deiner Vielfältigkeit hinein. Du bist überall und alles.“

Ich glaube, dass ich noch vieles zu lernen habe.

Keramik der Natur

Vielleicht sind es Bilder, die sich hinter dem dichten Nebel verbergen. Abbilder des abgemühten Bauern, der die letzten Heureste zusammenkehrt, die gefleckten Kühe auf der Weide ruhen und sich im durchsichtigen Perlennetz der Tau aus der Versenkung hebt. In jener Spiegelung treten die Anstriche der Natur in schimmernden, matten, langsam verklingenden Tönen hervor und mischen sich in ihrem abtretenden Spiel zu einem Höhepunkt jenes bunten Orchesters, das sich über die Wälder und Felder hinweg zieht.

Kauernder Verehrer auf dem glitzernden Hang, kräftiger Wanderer ruhend im Grün, atmender Betrachter im stillen Sein – sich gesellend, sich trauend, für einmal mit offenen Sinnen blosser und bescheidener Beobachter, im Bewusstsein lediglich ein temporärer Besucher zu sein.