Es ist ganz anders. Da ist keine Wahrheit. Nichts. Nur deine Hülle, dein leerer Körper, angeschwemmt, schwerfällig in den Wogen liegend. Ist dies nun Leben?
Zart unsere Begegnung
, wir, die einander nie kannten. Und dennoch. Ich schaue dir zu. Einmal meine ich dich zu sehen, wie du im Flügelschlag die Kanten der Wellen streifst. Dieselben, die dich hierher getragen haben. Jetzt sind deine Augen geschlossen. Sind es noch die deinen? Wie du wohl diese Welt in dir aufgenommen hast? Habt ihr miteinander den Geschichten gelauscht, die du über Wiesen und Wälder, Bäche und Flüsse getragen hast? …immer zurück zu deinem See. Oder warst du selbst das Leben; die Bäume
, tief im Waldinneren, die Flut aus den Gewässern, ein Tropfen im See?
In deiner leblosen Form schlägt mein Herz schneller als das deine. Vielleicht schlägt es auch nicht, weil in diesem Moment, wo ich hier mit dir stillstehe das gesamte Leben pulsiert. Ich lege meinen Körper ab, sanft neben den deinen. Ich entledige mich ihm, wie man einen lang getragenen Anzug von sich streift. Wir sind beide entblösst. Wir sind beide nichts. Ich dachte ich würde dich trösten, aber jetzt bist es du, der mich sieht. Ich entgegne dir ohne Worte, was du bereits weisst, dass es schön ist gesehen zu werden. So hältst du mich fest, innig, wie es nichts anderes gäbe. Ich fliege mit dir. Grenzenlos, körperlos, gedankenlos – frei. Wir sind Schlag auf Schlag Puls, Atem – fortan vertraue ich jedem Fallen, Steigen, Gleiten, jedem Flügelschlag dieser Vollkommenheit, die an keinen Körper, an keine Gestalt gebunden ist.