Ist das, wo Du hingehst, um zu sterben? Freund. Nun herrscht nicht Leben, nicht Tod über Dich. Jemand weint an Deiner Seite
, welch fahles Gesicht ihren Schatten über Deinen einstigen Körper zieht. Letztendlich schmilzt die Zeit dahin, nicht die Deine, sie gehört uns nicht, niemandem. Welch eine Furcht den Tod bekleidet. Wenn keine anderen Dir folgen können, weht der Abschied im leeren Raum. Ein Banner – alle Lebzeit verwoben, hie und da ein loses Ende, ein Knoten, Farben haften an Farben. Wie es sprudelt, wenn Nähte platzen. Ausgedachte Bilder und Gedanken, Vorstellungen und Glauben leisten der hiesigen Welt gehorsam, doch wo Du hingehst, ist etwas Ungesagtes. An dieser Barriere zerbersten alle Worte zu Staub. Erst entkleidet sich der Mensch auf seine nackte Haut. Der Zerfall des Körpers folgt. Blut, Knochen, Organe, die menschliche Form zersetzt. Im Revier dieser vergangenen Gestalt und dennoch immer ungehalten
, der Verstand, der den Körper bestätigt und ihm so vieles anhaftet. Adieu Persönlichkeit. Du entledigst Dich allem, dass Dir Ausdruck verlieh. An der Grenze angelangt streifst Du die letzten Relikte ab, Namen, Geburtstag, Erinnerung; dieses Du, dass Du über Jahrzehnte geschaffen hast. Da ist niemand und da ist nichts. Oh, Freund.
Dem Nichts als Nichts in der Unendlichkeit begegnen.
Diese Worte stehen den Hinterbliebenen zur Seite, weiter voraus dürfen und können sie nicht passieren. Ich kann es mir schlicht nicht vorstellen. Es ist besser so. Zumindest die Gewissheit dürfen wir umklammern
, dass Unwissen frei von Raum und Zeit ist. Freiheit ist unbegrenzt.