Fledermäuse im Tagesdunkel

Mein kleines Guckloch in die Unendlichkeit. Noch ruft der Vollmond meinen Namen. Ich folge dem zackigen Flug der Fledermaus mit wachem Blick. Dort oben geht es weiter und weiter , das, jedoch, verrät mir bloss eine Ahnung. Ich bin zufrieden mit «soweit das Auge reicht». Es gibt hier , für mich, ausreichend zu entdecken. Dieses kleine Ich in ihrer wankelmütigen Existenz fordert mich genug. Vom Reisen weiss ich, dass es nicht nur den Glanz innehält, den jene vermuten, die zurückbleiben. Reisen birgt ebenso eine Mühe, eine Anstrengung, sich immer wieder neu einzulassen, anzupassen, zurechtzufinden. Das Entdecken des Ich ist wie das Reisen. Sich darauf einzulassen, heisst zuzulassen, dass es schnürt und drängt, zieht und umschliesst, dem eigenen Leben immer wieder eine frische Sichtweise zu geben, auch wenn das Erleben bisweilen weder frisch noch fröhlich ist. So ist es auch mit dem Anpassen. Anpassen an jene Veränderungen, die wilde Furchen durch die Baumwipfel treiben , wenn der Sturm aufkommt und sich wieder senkt. Vielleicht das Altern, aber mehr noch das Annehmen. Nicht die Falten und die Bäuche, sondern das eigene, im Grunde ungezähmte Wesen, das sich den Gezeiten hingibt, und Flut und Ebbe jeder Gefühlslage nennt, gibt und wieder entzieht. Nur weder in absoluter Absehbarkeit noch Unveränderlichkeit. Sie sind uns nicht allein , noch besonders, diese Gänge und Vorgänge, dunkel, hell, mal so, mal so. Doch lohnt es sie zu beobachten. Sich zu beobachten. Und hiermit sich – das Ich, mit diesem Ich – zurechtzufinden, sich zu orientieren, eine gewisse Ahnung zu gewinnen, um mit den Gezeiten im Mindesten etwas mitzugehen, sich nicht zu sträuben und die Anstrengung für einen Moment fallen zu lassen. Es scheint mir bereits Anstrengung genug dem Körper, den Gedanken, den Gefühlen über Längen ausgeliefert zu sein. Zu entdecken gibt es nun diesen zurückbleibenden Aspekt.