Diesel, und kein Atemzug, der berührt. Überall brennende Beine. Wer fühlt was? Gesang in meinem Kopf. Die Wolken dürften sich endlich entleeren. Etwas wiederholt sich immer. Ich traue mehr dem Schatten: Zeit nahm Fahrt auf noch ehe ich blinzelte. Jahre vergehen und alles ruft zum Halten an. Ich kehre jedem Stein den Rücken , ziehe von dannen und bin nicht näher. Nicht weiter. Ich könnte genauso hier sitzen und dem Kerzenschein horchen. Ich wäre nicht reicher. Und doch – so staune ich blind – hetze ich immer geradezu diesem schrillen Lebensschatten nach, der nur in meiner Fantasie Substanz vortäuscht. Würde alle Welt an mir vorbeiziehen, würde ich anhalten? Sag es meinen Beinen, die selbst in meinem Halbschlaf noch rennen, meinen Gedanken, die Ruhen nur aus Geschichten des Todes kennen und verspotten. Sag es meinem Geist, den ich in gelesene Seiten falte und verabschiede. Nein – schrei‘ es aus aller Kehle dieser inhaltslosen Verkleidung entgegen, mit der ich mich schmücke und befreie mich ein für alle Mal von ihr. Ich kann riechen, wie etwas stirbt und ich streiche liebevoll über die Venen eines vergilbten Blattes, das mich mit seinem Duft einst in ferne Gefilde entführte. Es bleibt ein Geschmack, von Tränen umhüllt – ist es die Ewigkeit, die mir auf der Zunge sitzt und mit meinem Herzen spielt? Auf Wiedersehen ich. Lange hast du mir gedient, aber ich bin dem Wettlauf müde. Geh fort, mögen dich die Beine weitertragen, verführe einen anderen. Übrig bleibt jener unverrückbare Lebensbestand , unfassbar, wie ein Lichtspiel auf des Sandkorns Oberfläche. Ein Tanz auf leisen Zehen, eine Pirouette über diesen Streifen Erde. Wie klein kann die Unendlichkeit sein? Und was lieber Walt, könnte mehr oder weniger sein als eine Berührung? Jenem tiefen Bewusstsein öffnet sich eine andere Zeit. Jetzt ist derselbe vermisste Atemzug so süss. Anhalten.
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Seetiefen
Es ist ganz anders. Da ist keine Wahrheit. Nichts. Nur deine Hülle, dein leerer Körper, angeschwemmt, schwerfällig in den Wogen liegend. Ist dies nun Leben?
Zart unsere Begegnung
, wir, die einander nie kannten. Und dennoch. Ich schaue dir zu. Einmal meine ich dich zu sehen, wie du im Flügelschlag die Kanten der Wellen streifst. Dieselben, die dich hierher getragen haben. Jetzt sind deine Augen geschlossen. Sind es noch die deinen? Wie du wohl diese Welt in dir aufgenommen hast? Habt ihr miteinander den Geschichten gelauscht, die du über Wiesen und Wälder, Bäche und Flüsse getragen hast? …immer zurück zu deinem See. Oder warst du selbst das Leben; die Bäume
, tief im Waldinneren, die Flut aus den Gewässern, ein Tropfen im See?
In deiner leblosen Form schlägt mein Herz schneller als das deine. Vielleicht schlägt es auch nicht, weil in diesem Moment, wo ich hier mit dir stillstehe das gesamte Leben pulsiert. Ich lege meinen Körper ab, sanft neben den deinen. Ich entledige mich ihm, wie man einen lang getragenen Anzug von sich streift. Wir sind beide entblösst. Wir sind beide nichts. Ich dachte ich würde dich trösten, aber jetzt bist es du, der mich sieht. Ich entgegne dir ohne Worte, was du bereits weisst, dass es schön ist gesehen zu werden. So hältst du mich fest, innig, wie es nichts anderes gäbe. Ich fliege mit dir. Grenzenlos, körperlos, gedankenlos – frei. Wir sind Schlag auf Schlag Puls, Atem – fortan vertraue ich jedem Fallen, Steigen, Gleiten, jedem Flügelschlag dieser Vollkommenheit, die an keinen Körper, an keine Gestalt gebunden ist.
Regenfluss
Ich habe den lüsternen Regen ausgesperrt. Die Fenster geschlossen, ihm keinen Einlass geboten. Das fahle Licht der Strassenlaterne hingegen gewährt dem triefenden Nass sich zur Schau zu stellen. Ich kann nicht erkennen , ob die einzelnen Tropfen einem Dirigenten gehorsam sind oder sich ihrem unaufhörlichen Lauf genügsam hingeben. Meine Seite der Scheibe entfacht ein stilles Bild , ein sich bewegendes, aber tonloses Bild. Ich stelle das Mikrofon behutsam auf den Fenstersims und möchte den Geschichten des Regens lauschen. Hierfür öffne ich die Flügel einen Spalt breit, gerade ausreichend, um den Regen in seinem Bann zu halten und dennoch seine Melodie zu vernehmen. Das Blatt hat sich gewendet, nun bin ich derjenige, der einer Gier nachgibt – ich bin besessen davon dem Regen in dessen Seele zu blicken, jede noch so feine Vibration aufzuzeichnen, mich in seine Haut einzuflechten und zu verschmelzen. Da zeichnet der Kassettenrekorder ein leises Surren auf, das Licht flackert, jetzt regnet es seitwärts. Ein Sirren erklingt und geleitet mich über die fernen Saiten einer Harfe. Das aufsteigende Summen bebt in meinem Inneren, ein Klangkörper, der erwacht; orientalische Malereien und mein Atem flacht ab, die Klänge bilden eine Symphonie – so nah. Sie erzählt den Weg des Regens, der Anfang und Ende nicht kennt. Sie unterstreicht betont den wilden Ritt über Berge, Seen und Felder, beharrt auf den lauten Tonfall von Pauken und Trompeten, der mit dem Wind die Wellen gegen die Hafenwand peitscht. Als die Streicher ihre Bögen sachte schwingen, kann ich das Flüstern der nun schleppenden Tropfen ausmachen, die anmutig und dennoch unaufhaltsam fallen. Sie haften einzeln an der Scheibe und ich berühre sie sachte. Ihre letzten Worte höre ich in meinem Herzen: „wir fliessen in Bächen und in Flüssen vereint , miteinander, aneinander, niemals getrennt. Fliesse auch du in der Symphonie des Lebens, voller Hingabe und Neugier“. Der Kassettenrekorder steht still und doch bewegt sich etwas in mir immer weiter und weiter.
Mechanismen
Meine Augen nehmen wahr wie jemand dem Strand entlang läuft, eine junge Frau. Die Bewegungen bloss angedeutet, unvollendet. Da ist Leben – in jedem Augenblick, doch dieser eine steht still, so als hätte jemand überall zugleich auf Stopp gedrückt. In meinen Ohren hallt der Klang meiner gelesenen Zeilen, in meiner Lunge die Wellen meines Atems. Meine Wahrnehmung ist nach aussen verschoben, ich bin nunmehr ein stiller Beobachter. Auf einmal erkenne ich aus dieser eigenartig, losgelösten Position, wie die Buchstaben Worte formen, in mir drin Bilder. Es ist eine scheinbare Trivialität, die sich mir offenbart und mich durch etwas hindurchsehen lässt, etwas, das bis anhin automatisch, unbeachtet verlief. Nun ist alles da, entblösst und greifbar. Ich weiss Bescheid, oder, etwas in mir wusste bereits Bescheid. Alles verharrt. Die Sonne senkt sich im Ansatz dem Horizont entgegen. Für einen Moment kann ich den Hauch eines Gedanken
, in eine Empfindung gewickelt, das Bewusstsein streifend, wahrnehmen. Ein Hauch, der meine komplette Weltsicht verbiegt und mein Wesen wundern lässt, was ist wirklich? Das Licht vergeht, sie rennt wieder, meine Füsse senken sich, im Sand verkriechen sich die Krabben in ihren Löchern.
Sann
Befinden wir uns nicht alle, Jung und Alt, auf einer Reise durch das Leben? Einzelne von uns machen sich unweit von ihrem eigenen Zuhause auf den Weg, andere zieht es an entfernte Orte, irgendwo auf diesem Planeten. Jeder Mensch in seinem Tempo, in seine Richtung.
Ich freue mich besonders über jene Wege, die meinen kreuzen: Begegnungen mit Mensch, mit Tier, mit der Natur. Wenn ich anhalte, um bewusst zu atmen, um wahrzunehmen, male ich mir am Ende meines Tages jede Begegnung innerlich nochmals aus. Mit geschlossenen Augen erwachen meine Sinne von Neuem, ich sehe Bilder, Farben, höre Geräusche, und blicke somit für ein paar Augenblicke in die Vergangenheit zurück. Mit der Zeit werden die meisten Bilder vager, verlieren an Konturen, verschmelzen miteinander oder verschwinden gänzlich. Ein Gefühl, und vielleicht ein leises Lächeln oder Weinen, haftet an. Ich kann Fotos hervorkrammen und so meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, um etwas Vergangenes wieder zu entflammen. Ich bin mir jedoch sicher, dass mich diese kostbaren Momente tief berühren, gerade weil sie mit der fortschreitenden Zeit verfliessen. Sie sind nur im Jetzt wirklich. Ich kann mich bloss gegen diese Tatsache sträuben oder akzeptieren, wie es ist.
Was mir nach meinen Reisen bleibt, ist meinen Liebsten in die Augen zu schauen und zu schmunzeln, in der Gewissheit, dass ich auf keine Frage in Worten wiedergeben kann, was ich erleben und erfahren durfte. Dies ist das Geschick eines jeden Reisenden , eines jeden Menschen. Es ist aber auch dessen Geschenk: die einzigartige, vergängliche Erfahrung eines Moments.
Es scheint mir, dass die unbeantworteten Fragen verstummen dürfen, wenn wir einander mit offenem Herzen begegnen. Mag die Mutter ihr Kind in die Arme schliessen, wohlwissend, dass sie niemals vollständig erfahren wird, was ihr Spross in einem Tag alles erlebt hat. Zuweilen sind wir alle Mutter , Vater, Kind. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig zu wissen, wie wir stets annehmen. Man darf nicht unterschätzen, dass uns unsere Erfahrungen prägen und dass wir uns mit all unserem Fühlen, Denken und Handeln nach aussen tragen, an der Welt teilnehmen und dadurch andere Herzen immer wieder berühren. Ist dies nicht genug?
Wir und die Welt
Was ist die grösste Sorge der Menschheit? Ist es die in uns verankerte Beschaffenheit andere zu töten, um unser eigenes Überleben zu sichern? Sind es die Berge von Abfall, die wir auf den Meeren türmen, in Wäldern, Gruben und auf Feldern? Oder die Entwicklung der Politik in die Extreme, weg von Einigkeit und Kompromissen? Ist es das egoistische Treiben zu persönlicher Bereicherung, die Gier nach Geld, nach Macht, nach Anerkennung? Oder die Digitalisierung, die Menschen isoliert und den direkten Kontakt und Austausch hindert? Sind es die Waffen und Bomben, die wir entwickeln, die eine komplette Auslöschung der Menschheit bedeuten könnten? Oder sind es die Grenzen, die wir voreinander ziehen und dabei Ansprüche stellen an Land und Besitz? Ist es die Überbevölkerung und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen? Ist es das einnehmen so vieler Lebensräume der Natur und dem damit verbundenen Artensterben? Oder ist es das Steckenbleiben in der Vergangenheit sowie in unseren Zukunftsfantasien? Ist es der Lärm, den wir kreieren und der unsere Sinne betäubt? Oder ist es das Streben immer besser zu sein, spezieller, bedeutender als andere? Ist es vielleicht der Glaube, der uns auseinander treibt und vergiftet? Oder die Ungerechtigkeit im Übermass zu leben während andere Hunger leiden? Sind es die Naturkatastrophen, denen wir ausgeliefert sind und zuweilen mitverantworten? Ist es der Konsum und die Unersättlichkeit, die uns antreiben immer mehr haben zu wollen? Oder ist es die Angst vor dem Fremden, die wir schüren und dann Hass verbreiten? Sind es Krankheiten, die uns befallen und töten? Oder die Eigenart Liebe zu verkennen und zu schmälern, obschon sie da ist? Könnte es sein, dass wir vergessen haben, dass wir alle Menschen sind? Alle im Inneren gleich? Alle mitverantwortlich sind?
Ich stelle mir vor, dass jede dieser Bedrohungen auf ihre Weise ernst ist. Doch wo sollen wir anfangen etwas zu verändern? Vielleicht ist es uns, trotz unserem Überlebenstrieb, gar nicht gegeben diesen Planeten auf Dauer zu bewohnen. Ist es nicht seltsam, wie diese Angst zu sterben und das daraus entstehende denken, fühlen und handeln, gerade dieses zu vermeidende Sterben begünstigt? Die Menschheit
, die sich selbst zerstört. Ich zucke mit den Schultern. Wir sind nicht von Bedeutung. Also kann es uns als Kollektiv letztendlich entweder nur gleichgültig oder andernfalls wichtig sein, was mit uns geschieht. Niemand sonst wird sich um uns kümmern, uns Beachtung schenken oder merken, wenn es auf der Erde ganz still wird.
Blue.
Blue gardens the human soul with patience and love , tends to the rimples on swept away branches and touches tiny beetles good-night. Blue embraces a myriad stars , forming a tapestry of little, gleaming lights. Blue wraps tenfold around this world, holding us in worn palms so that we may lay our cheeks gently on one of its many creases and be at peace. Blue sits next to me and with a thin smile and not a word spoken , I know everything is alright.
little rest
There are those before me and those after me. I merely repeat the words of Borges and surely of many others: I am no one. Maybe to a few – for a brief time – I am some body. But where I am now, laying on my back on a giant boulder, I do not know who I am. In the eyes of an other I may be a son or a brother
, a father or a mother, a poet or a song
, a dutiful citizen or, alas, a similar fading label. But where I am now, I am nothing. This human form – if I am completely still in mind and body – could as well not be here. Just an added breath to the passing wind. I am equally significant and insignificant as the rock cradling me. A silent memorandum of painted granite. The question of where I am is inessential. Ask instead: who am I?
Pages of life
Like sparkles drawn out of the world’s back pocket and contentedly strewn across the many passages of human souls, this one is no less and no more remarkable than any other morsel of life. With every turning page the scene folds into a silent crease, exposing countless wonders. I recognize the piano man uniting a world of strangers in a glitter of song and spirit. I gingerly turn a page or two, and let the resemblance touch me deeply as I become witness to the portrait of another man sitting at a piano, smoking a cigar, and the bartender mesmerized by the piece, wordlessly looking on. Could I still call it a sparkle or a glint that won’t outlast time, but under the gaze of the universe is itself a miracle? Maybe that is why my fingers turn each page with adoration and reverence, tending a full heart to every marvel, every glimmer, aware that each is only a visitor.
And here you plucked a star from the sky and shone its light on an entity, which mirrored a piece of your own soul. The vital glow in your eyes had me longing to hear your heart’s utterance. Are they feelings or words I recall? I do not know. In this brief interval of time we stood on your page alone and I can only tell it in retrospect as I stir the past in the depths of my memory: Red. In the whispers of the night , majestically present, poised between natural self-composure and calm – without any doubt a lady. A matriarch, noble, maybe discreetly proud, never pretentious , always graceful. Here when all around springs to life, here, when the day falls silent. I guess these are the instants that melt before our eyes and vanish into our hearts. They are attached to chairs and red-capped robins, to quivering lips and rising suns and to books filled with pages, read and put aside. Just a twinkle, the same visitors, coming and going – let us honor them.
rouse
I hear the chimes anew. I missed them, unaware that they were always here. I cannot tell, whether the melody enters through my ears or if the twisting vibrations play soundlessly within. Yes, I missed them – obscured by the clutter of things I make believe are important day in, day out. I grew forgetful.
I am splayed on my bed
, eyes shut, though if they were open they would only stare at the evenly fixed, wooden planks of the bunkbed above. In this state I am oozing in and out of conscious awareness. I recognize the simple touch of sound grazing over my soul. I cannot mold the sensation into any human manifestation and hence allow this pure, tender kiss, strewn across everything I am, to advance. Instantly I am enwraped in loving hands of universal compassion, washing brilliantly over me. Seldom have I felt so alive. In this rare moment, yielding all my futile human efforts to life is completely liberating.
I recognize the melody of water. There is no bend in this tune, no edge, just a fluid motion of conjoined droplets merrily satisfying every bit of me. I am forever lost in this moment, no need to resurface. This is it. I surrender, my mind, my heart, down to my very shadow. The same, worn by reinacting the contours of light, tired of being confined to this body, now departs, not without caressing its loyal counterpart. All vanishes – the song plays on. I would like to say part of me hears every tone, but I have long become immaterial
, just water passing through the ages. A trifle here – a ballade in the moon’s glistening sheen – an ocean there – an orchestra of splendor across the windowsill; nothing more. Now who is embracing whom in this hymn of life
, in which unfastened notes meld to wake me from deep sleep?