
{"id":531,"date":"2020-01-06T15:06:54","date_gmt":"2020-01-06T15:06:54","guid":{"rendered":"http:\/\/atehundred.ch\/?p=531"},"modified":"2020-12-05T16:24:19","modified_gmt":"2020-12-05T16:24:19","slug":"sann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atehundred.ch\/?p=531","title":{"rendered":"Sann"},"content":{"rendered":"<p>Befinden wir uns nicht alle, Jung und Alt, auf einer Reise durch das Leben? Einzelne von uns machen sich unweit von ihrem eigenen Zuhause auf den Weg, andere zieht es an entfernte Orte, irgendwo auf diesem Planeten. Jeder Mensch in seinem Tempo, in seine Richtung.<\/p>\n<p>Ich freue mich besonders \u00fcber jene Wege, die meinen kreuzen: Begegnungen mit Mensch, mit Tier, mit der Natur. Wenn ich anhalte, um bewusst zu atmen, um wahrzunehmen, male ich mir am Ende meines Tages jede Begegnung innerlich nochmals aus. Mit geschlossenen Augen erwachen meine Sinne von Neuem, ich sehe Bilder, Farben, h\u00f6re Ger\u00e4usche, und blicke somit f\u00fcr ein paar Augenblicke in die Vergangenheit zur\u00fcck. Mit der Zeit werden die meisten Bilder vager, verlieren an Konturen, verschmelzen miteinander oder verschwinden g\u00e4nzlich. Ein Gef\u00fchl, und vielleicht ein leises L\u00e4cheln oder Weinen, haftet an. Ich kann Fotos hervorkrammen und so meinem Ged\u00e4chtnis auf die Spr\u00fcnge helfen, um etwas Vergangenes wieder zu entflammen. Ich bin mir jedoch sicher, dass mich diese kostbaren Momente tief ber\u00fchren, gerade weil sie mit der fortschreitenden Zeit verfliessen. Sie sind nur im Jetzt wirklich. Ich kann mich bloss gegen diese Tatsache str\u00e4uben oder akzeptieren, wie es ist.<\/p>\n<p>Was mir nach meinen Reisen bleibt, ist meinen Liebsten in die Augen zu schauen und zu schmunzeln, in der Gewissheit, dass ich auf keine Frage in Worten wiedergeben kann, was ich erleben und erfahren durfte. Dies ist das Geschick eines jeden Reisenden  , eines jeden Menschen. Es ist aber auch dessen Geschenk: die einzigartige, verg\u00e4ngliche Erfahrung eines Moments.<\/p>\n<p>Es scheint mir, dass die unbeantworteten Fragen verstummen d\u00fcrfen, wenn wir einander mit offenem Herzen begegnen. Mag die Mutter ihr Kind in die Arme schliessen, wohlwissend, dass sie niemals vollst\u00e4ndig erfahren wird, was ihr Spross in einem Tag alles erlebt hat. Zuweilen sind wir alle Mutter  , Vater, Kind. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig zu wissen, wie wir stets annehmen. Man darf nicht untersch\u00e4tzen, dass uns unsere Erfahrungen pr\u00e4gen und dass wir uns mit all unserem F\u00fchlen, Denken und Handeln nach aussen tragen, an der Welt teilnehmen und dadurch andere Herzen immer wieder ber\u00fchren. Ist dies nicht genug?  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Befinden wir uns nicht alle, Jung und Alt, auf einer Reise durch das Leben? Einzelne von uns machen sich unweit von ihrem eigenen Zuhause auf den Weg, andere zieht es an entfernte Orte, irgendwo auf diesem Planeten. Jeder Mensch in seinem Tempo, in seine Richtung. Ich freue mich besonders \u00fcber jene Wege, die meinen kreuzen: Begegnungen mit Mensch, mit Tier, mit der Natur. Wenn ich anhalte, um bewusst zu atmen, um wahrzunehmen, male ich mir am Ende meines Tages jede Begegnung innerlich nochmals aus. Mit geschlossenen Augen erwachen meine Sinne von Neuem, ich sehe Bilder, Farben, h\u00f6re Ger\u00e4usche, und blicke somit f\u00fcr ein paar Augenblicke in die Vergangenheit zur\u00fcck. 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