
{"id":442,"date":"2019-06-10T04:59:11","date_gmt":"2019-06-10T04:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/atehundred.ch\/?p=442"},"modified":"2019-06-17T03:33:57","modified_gmt":"2019-06-17T03:33:57","slug":"raum-der-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atehundred.ch\/?p=442","title":{"rendered":"Raum der Stille"},"content":{"rendered":"<p>Mein Haus, fernab des L\u00e4rms, auf Augenh\u00f6he mit dem Horizont, flankiert von zwei hochgewachsenen Birken, liebevoll umz\u00e4unt, beherbergt einen Raum der Stille. Mein Heiligtum ist eingebettet in eine Aneinanderreihung mehrer R\u00e4ume, die meinem K\u00f6rper und meiner Seele ein Heim schenken. Fast f\u00fchle ich mich hier als Vogel, kann links wie rechts, Fl\u00fcgel gestreckt in den tragenden Wind mich fallen lassen und immer wieder in mein Nest zur\u00fcckkehren. In feine Lebens\u00e4ste gegliederte Wurzeln erz\u00e4hlen Geschichten, ihre B\u00e4ume n\u00e4hren sich von Sonne und Erde, und geben im Verlaufe des Tages stets andere D\u00fcnste von sich. Ein dezentes Aroma  , das ich gewiss nicht abstreifen m\u00f6chte, leckt an mir. Ich rieche, ich sehe, ich h\u00f6re. Des \u00d6fteren frage ich mich, ob ich aus dem Fenster schaue oder ob die Natur durch das Fenster meiner Seele in mich hinein schaut.<\/p>\n<p>Meine Fingerspitzen klopfen liebevoll gegen das Holz, beinahe um mich daran zu erinneren, dass wir wirklich sind. Sachte kraule ich mein Haus. In dieser Liebesgeschichte lauschen wir gemeinsam sich in den Schlaf wiegenden Birken, gew\u00e4hren dem Mond mit unserer Anwesenheit ein Schattenspiel und z\u00e4hlen aus dem emporsteigenden Rauch auf des Schornsteins Erhebung glitzernde Sterne. Genau hier, auf diesem Grund stehe ich und atme.<\/p>\n<p>Ich schmunzle im Einklang mit dem Universum als ich die Schwelle \u00fcbertrete. Wir sind uns einig, dass es kein Hallo mehr braucht. Herz und Herz umgarnen sich. Worte er\u00fcbrigen sich. Ich weiss dasselbe ist wahr in meinem mir geweihten Raum inmitten dieses Hauses. Es ist ein Raum, der in all diesen Jahren keinem einzigen, gesprochenen Wort horchte. Kein Gesetz h\u00e4ngt an diesen W\u00e4nden, kein Zwang, der zum wortlosen Dialog mit der Welt anh\u00e4lt, nichts mehr als das tiefe Sehnen sich der Stille hinzugeben. Wir k\u00f6nnten uns dar\u00fcber unterhalten, welche zarten Worte der Verliebtheit jenem Raum vorenthalten wurden, welche Hass durchtr\u00e4nkten Worte keinen Empf\u00e4nger fanden und welches zierliche Gefl\u00fcster vergeblich einem Echo lauschte. Ich jedoch schliesse lediglich die T\u00fcr hinter mir und vergesse im selben Augenblick, dass es eine Sprache gibt; gesprochen, geschrieben, leer. Es ist nunmehr die Begegnung mit mir selbst &#8211; die Stille bin ich.<\/p>\n<p>(Auch Du bist herzlich willkommen! Sobald weitere Herzen sich dazugesellen, keimt die blosse Freude an der Zusammenkunft. Die Stille selbst ist nicht getrennt  , w\u00e4chst nicht  , wird nicht kleiner, l\u00e4sst sich nicht locken oder z\u00e4hmen, sondern ist; ist einfach, ist bedingungslos, ist alles. Und so, als wir uns in reiner Anwesenheit entgegentreten ist Raum nicht mehr, f\u00e4llt Blick durch Blick und reisst mit sich jede menschliche Idee von Zeit. Keine Worte k\u00f6nnen uns hierhin folgen. Wir l\u00f6sen uns auf und sind in Frieden nichts und niemand, und alles zugleich.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Haus, fernab des L\u00e4rms, auf Augenh\u00f6he mit dem Horizont, flankiert von zwei hochgewachsenen Birken, liebevoll umz\u00e4unt, beherbergt einen Raum der Stille. Mein Heiligtum ist eingebettet in eine Aneinanderreihung mehrer R\u00e4ume, die meinem K\u00f6rper und meiner Seele ein Heim schenken. 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