
{"id":196,"date":"2017-11-27T22:07:52","date_gmt":"2017-11-27T22:07:52","guid":{"rendered":"http:\/\/atehundred.ch\/?p=196"},"modified":"2017-12-08T13:48:24","modified_gmt":"2017-12-08T13:48:24","slug":"hinaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atehundred.ch\/?p=196","title":{"rendered":"Hinaus"},"content":{"rendered":"<p>Eines Tages muss ich gehen, hinausgehen, weggehen, mich verneigen und verabschieden. Mit beiden Beinen aus dem Karussell aussteigen und nur aus der Ferne wahrnehmen, wie es sich immer und immer wieder um die eigene Achse dreht, zur\u00fccklassen jene Formen und Figuren, die ich so gut kenne, die meinen Alltag pr\u00e4gen und bestimmen, in heiteren Farben und Kl\u00e4ngen. Bis heute weiss ich weder die Regel noch das Ziel, ich glaube nur die Endg\u00fcltigkeit zu ahnen, dass es zu Ende gehen wird. Was, zwischen Jetzt und Danach ist meine Aufgabe? Ist es ein R\u00e4tsel? Oder sind es Weltmeere, die sachte ineinander hineinschaukeln, Wogen wecken und sich \u00fcber den Erdball erstrecken bis ich sie alle entdecke?<\/p>\n<p>Vielleicht ist es ein schauriges Spiel und ein bezauberndes zugleich. Und vielleicht liegt die Aufgabe darin die Regeln aufzudecken und sich der scheinbaren Willk\u00fcr hinzugeben. Vielleicht geht es darum anzunehmen, dass weder Anfang noch Ende mitbestimmt werden k\u00f6nnen. Alleweil scheint es mir mysteri\u00f6s, tief be\u00e4ngstigend und dennoch irgendwie blendend. Ich kann nicht einmal in die Wagnis hineinraten, warum ich gerade in dieser Konstellation, mit diesen Attributen, diesen Menschen und\u00a0zu dieser Zeit mitspielen darf oder muss. Vielleicht, oder gerade darum,\u00a0unter diesen Gegebenheiten, m\u00f6chte ich aussteigen.<\/p>\n<p>Hinaus; mich getrauen. Von scheinbarer Sicherheit nach und nach Abstand gewinnen. Nicht der Sicherheit zum Trotz, sondern im Bewusstsein, dass sie tr\u00fcgerisch ist, uns bloss bis ans Ende geleitet, was ohnehin unvermeidbar ist. Eine Sicherheit, die vielleicht unsere Gef\u00fchle zu schonen versucht, dass sie nicht \u00fcberschwappen, dass die Musik uns weiter heiter im Kreise dreht.\u00a0Ich mache\u00a0eine Bewegung hin zu all dem, was noch sein darf. Pl\u00f6tzlich stehe ich zwischen den Noten, die tanzen, mein Haar zerzausen, und streichle die Pferde Ade, k\u00fcsse die harten M\u00e4hnen in Verbundenheit, denn ich ahne, auch wenn ich retourniere kreisen sie noch, auch wenn ich aus der Ferne schaue, auch wenn ich meine Augen schliesse, ja sogar, wenn ich nicht mehr bin. Schritt um Schritt entgegen dem Lauf, dann der Sprung, eine weiche Landung, etwas verloren, pl\u00f6tzlich draussen.<\/p>\n<p>Was empf\u00e4ngt mich nun?<\/p>\n<p>(Ich schmunzle ganz verborgen \u00fcber mich selbst und \u00fcber dieses Abbild. Ich erkenne Tage und Jahre, die ich bereits auf dem Karussell mitreite. Ich erkenne, dass sich selbst mein K\u00f6rper, meine Gef\u00fchle und meine Denkweise auf dieses Kreisen abgestimmt haben. Ich erkenne, dass scheinbar so, so viel daf\u00fcr spricht weiter zu drehen, immer fort, dann ist der Mensch sicher. Ich erkenne (noch nicht)\u00a0alles und jeden, dass mich zur\u00fcckh\u00e4lt. Weil wir alle die gleiche Angst pflegen.)<\/p>\n<p>Also ist es vielleicht gar nicht meine Wahl, ob ich bleibe oder gehe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines Tages muss ich gehen, hinausgehen, weggehen, mich verneigen und verabschieden. Mit beiden Beinen aus dem Karussell aussteigen und nur aus der Ferne wahrnehmen, wie es sich immer und immer wieder um die eigene Achse dreht, zur\u00fccklassen jene Formen und Figuren, die ich so gut kenne, die meinen Alltag pr\u00e4gen und bestimmen, in heiteren Farben und Kl\u00e4ngen. 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