
{"id":136,"date":"2017-03-04T22:38:03","date_gmt":"2017-03-04T22:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/atehundred.ch\/?p=136"},"modified":"2017-03-05T09:54:30","modified_gmt":"2017-03-05T09:54:30","slug":"angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atehundred.ch\/?p=136","title":{"rendered":"Angst"},"content":{"rendered":"<p>Ha, Angst. Bist du m\u00e4chtig. Oder erm\u00e4chtige ich dich?\u00a0 Mich interessiert die Frage: w\u00fcrde mehr f\u00fchlen bedeuten mehr Angst zuzulassen?\u00a0 L\u00e4sst mich ein tieferes Empfinden intensiver in dich eintauchen?<\/p>\n<p>Ich stehe gerne\u00a0bis zu den Knien im Wasser, bis zur H\u00fcfte, bis zur Schulter. Dann werde ich z\u00f6gerlich. Sage es ist nicht mein Element. M\u00f6chte den Boden unter den F\u00fcssen sp\u00fcren. Jenes Weitere macht mir Angst. Ich verliere den Halt. Ich weiss nicht was kommt. Ungewissheit. Meine Gedanken F\u00e4rben die L\u00fccken ein, sie sind tief schwarz, undurchschaubar, haben einen Sog, ziehen immer fort. Und so bleibe ich stehen. Da, wo es sich gut anf\u00fchlt. Da, wo ich in Sicherheit bin, Kontrolle habe, jenem aufsteigenden Gef\u00fchl noch rechtzeitig entfliehen k\u00f6nnte. Meine Beine w\u00fcrden mich dem rettenden Ufer n\u00e4herbringen, ich k\u00f6nnte mich ausruhen, aus der Ferne beobachten. Aufatmen.<\/p>\n<p>Ja &#8211; Angst. Dieses Aufhorchen meiner innersten Gewebe, die K\u00f6rper, Geist und Seele umschn\u00fcren, den Draht spannen, beklemmen, so dass ich mit gestreckten Armen daran h\u00e4nge. Unten das wirkende Bodenlose. Meine Kraft, die allm\u00e4hlich nachl\u00e4sst, die ich aber nicht bemerke. So eindringend dieses Gef\u00fchl, \u00fcberw\u00e4ltigend und bet\u00e4ubend. Das Rationale ertr\u00e4nkend, den K\u00f6rper in den Notstand fehlleitend. Dem inneren Auffressen ausgeliefert. Dann der Ausbruch. Weil niemand dies m\u00f6chte, weil niemand dies aush\u00e4lt. Vorher vermeiden, Fluchtwege erahnen, weg, weg, weg.<\/p>\n<p>So m\u00e4chtig bist du Angst. Treibst meine Gedanken ins Unendliche, manipulierst meinen K\u00f6rper und vergiftest mein Handeln. So m\u00e4chtig&#8230;wenn ich dich zulasse. Und darin bin ich gut, sehe ich doch deine gek\u00fcnstelten Warnschilder noch ehe sie \u00fcber den Horizont t\u00e4nzeln, ja, ich meine sie bereits an der scheinbaren Vibration der Erde zu erahnen, und weiche.<\/p>\n<p>Was nun, wenn ich auf dich zugehe? Was w\u00fcrde passieren? Wie gross kannst du werden?\u00a0 Wie stark? Was passiert, wenn du alles in mir hochf\u00e4hrst und ich nicht kapituliere? Was bleibt? Was dann? Was danach? Sag es mir.<\/p>\n<p>Liebe Angst, von tausend m\u00f6glichen Begegnungen mit dir, graut es mir tausend Mal vor dir. Nicht ein einziges Mal w\u00fcrde ich dich herbeiw\u00fcnschen. Gewiss bist du auch Warnung, m\u00f6chtest Sicherheit schaffen, meinst es ja nur gut. Aber du beschr\u00e4nkst. Du schr\u00e4nkst ein. Du limitierst. Und ich mit dir. Ich limitiere mich in dem ich auf dich aufspringe, wie auf einen G\u00fcterzug, der den Schienen entlang gleitet, an jedem Waggon einen n\u00e4chsten nach sich zieht, immer mehr, immer dunkler, immer schwerer, bis ich mich gequ\u00e4lt entschliesse abzuspringen. Die Rettung, <em>uff<\/em>, geschafft. Oder bist du sogleich gewachsen? Habe ich gerade die Botschaft gesendet, dass wenn du dich so aufbauscht, ich mich f\u00fcge, so, dass du mit der Zeit nur mit der Achsel zu zucken brauchst und ich bereits spure?<\/p>\n<p>Nun stehe ich an der Schwelle. Wie so oft. Und frage mich, was, wenn ich mich dir hingebe? Was geschieht, wenn ich den Sand nicht mehr krallen kann und auf dich zugehe? Ich bin \u00fcberzeugt, du hast einen Anfang und ein Ende. Ein Teil von mir m\u00f6chte herausfinden, was nach dir kommt. Und dieser Teil sp\u00fcrt in entfernten Ecken Ruhe einkehren. Vielleicht das leise Summen im beschatteten Tal, von Felsw\u00e4nden umgeben, die sich recken, die stetig den Laut vorantreiben, \u00fcber Felder gleiten, in Teiche eintauchen, und im heiteren Fl\u00fcgelschlag mit dem Wind Saltos schlagen. Vielleicht der wiederkehrende Kampf raus aus dem Geburtskanal, dann die Befreiung, und immer wieder ein ger\u00e4uschloses Sterben. Ich m\u00f6chte diesem Teil Geh\u00f6r schenken.<\/p>\n<p>Angst kommt und Angst geht &#8211; nimm mich mit auf deine Reise und lass uns gemeinsam entdecken, welche Weiten es noch gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ha, Angst. Bist du m\u00e4chtig. Oder erm\u00e4chtige ich dich?\u00a0 Mich interessiert die Frage: w\u00fcrde mehr f\u00fchlen bedeuten mehr Angst zuzulassen?\u00a0 L\u00e4sst mich ein tieferes Empfinden intensiver in dich eintauchen? Ich stehe gerne\u00a0bis zu den Knien im Wasser, bis zur H\u00fcfte, bis zur Schulter. 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